Imkerverein Mettmann: Was machen Imker eigentlich im Winter?

Imkerverein Mettmann : Was machen Imker eigentlich im Winter?

Kaum ein Hobby wird sosehr mit den Jahreszeiten Frühjahr und Sommer assoziiert, wie die Imkerei. Aber auch im Winter ist der Imker nicht "arbeitslos".

Im Spätsommer bereitet der Imker die Überwinterung seiner Bienen vor. Dabei hat er seine Bienen gut im Blick. Schwächere Bienenvölker werden dann meist aufgelöst, während ein besonderes Augenmerk auf die Jungvölker gerichtet wird. Ein Bienenvolk sollte für die Überwinterung mehr als 5000 Bienen und eine starke Königin haben. Etwa 10 Kilo Futter sind für die Überwinterung notwendig. Im Oktober ist es dann Zeit für die Einwinterung, aber arbeitslos wird der Imker auch dann nicht, denn jetzt wird fleißig Wachs aus alten Waben geschmolzen, auf bis zu 130 Grad erhitzt, um Bakterien abzutöten und gereinigt und in Blöcke gegossen. Aus einem Teil dieses gereinigten Wachses stellt der Imker mit einer Presse neue Mittelwände her, die im Frühjahr für die Bienenstöcke gebraucht werden. Imker, die mehrere Völker haben, füllen bei der Honigernte den Honig zuerst in große Eimer ab. Ein einziges Volk liefert ungefähr 20 Kilo Honig, was 40 Gläsern Honig mit 500 Gramm entspricht. So ist es oft platzsparender und einfacher den Honig nach der Ernte, dem Schleudern, wie es bei den Imkern im Fachjargon heißt, erst einmal in Eimern zu lagern. Geerntet wird zweimal jährlich, jeweils im Mai und noch einmal Mitte Juli. In Gläser abgefüllt wird nach Bedarf im Laufe des Jahres.

Hans-Jörg Holz ist Hobby-Imker und Kassierer des Imkervereins Mettmann, der 40 Mitglieder hat, die zusammen rund 200 Bienenvölker halten. Das war vor einigen Jahren noch anders. Da waren es gerade einmal 15 Mitglieder. Aber dann kam der große Hype um die Imkerei. Das Bienensterben wurde thematisiert und mehr junge Menschen interessierten sich für die Imkerei. Das hat auch dem Imkerverein Mettmann neuen Mitgliederzulauf gebracht. Der Altersdurchschnitt sank von 60 plus auf etwas über 53 Jahre. Hans-Jörg Holz gehört zu dieser jüngeren Generation. Der 40-jährige Familienvater ist seit vier Jahren im Verein aktiv.

Inzwischen sind im Verein alle Generationen vertreten, die nicht zu jung fürs eigene Bienenvolk sind und nicht zu alt, um einen Bienenstock anheben zu können. Das älteste Mitglied ist 82 Jahre alt und das jüngste wird in diesem Jahr 15. Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder am ersten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Johanneshaus zum Erfahrungsaustausch. "Bei unseren Treffen sind auch Bieneninteressierte und Anfänger willkommen", lädt Hans-Jörg Holz Nichtmitglieder ein. "Wir bieten zwar keine speziellen Imker-Lehrgänge, aber in unseren Reihen finden sich immer Mitglieder, denen man für eine Zeit über die Schulter schauen darf, bevor man sich ein eigenes Bienenvolk zulegt." Wer sich mit dem Gedanken trägt, selbst aktiv zu imkern, steht meist zu allererst vor der Frage "Wo bekomme ich ein Bienenvolk her?". Aber auch alles rund um die Imkerei vom Bienenfutter, Bienenkrankheiten, über mögliche Schutzkleidung und Smoker bis hin zu Versicherungsfragen, wird im Verein beantwortet. Übrigens darf ein Bienenvolk aus dem Kreis Mettmann nicht darüber hinaus umziehen oder "reisen", ohne dass ein Veterinär sie begutachtet und ihnen ein Gesundheitszeugnis ausgestellt hat. Das dient der Eindämmung von Krankheiten wie etwa die Faulbrut, die die Bienen bedrohen. Sind diese in einem Bezirk ausgebrochen, gilt der Bezirk als Sperrbezirk. Im vergangenen Jahr waren die Städte im Kreis Mettmann davon verschont geblieben, aber Teile von Solingen und Wuppertal und auch Remscheid waren betroffen.

Wer sich entschließt, selbst aktiv zu werden und sich ein oder mehrere Bienenvölker zuzulegen, genießt als Vereinsmitglied einige Vorteile. Der Imkerverein Mettmann ist eine Untereinheit des Kreis-Imkervereins, der wiederum dem Imkerbund Rheinland untergeordnet ist und damit als oberster Einheit dem Deutschen Imkerbund zugeordnet ist. Über die Vereinszugehörigkeit und die sich daraus ergebende Hierarchie sind Mitglieder berechtigt das Markenlogo des Deutschen Imkerbundes für "Echten Deutschen Honig" zu nutzen und ihren Honig in Gläser mit diesem Logo abzufüllen. Ein Hobby-Imker darf bis zu 30 Bienenvölker halten, um noch als Hobby-Imker zu gelten. Die wenigsten nutzen die Grenze, aber sehr erfahrene Hobby-Imker können durchaus neben ihrem eigentlichen Beruf auch 20 Völker versorgen. Vereinsmitglieder sind über den Verein versichert und können auch Geräte des Vereins, wie etwa einen Dampfwachs-Schmelzer, einen Wachs-Klärer und eine Mittelwandpresse für die eigene Arbeit ausleihen.

Das allgemein gewachsene Interesse an Bienen hat dafür gesorgt, dass sich immer häufiger auch Kindertagesstätten und Schulen an den Imkerverein Mettmann wenden, die den Kindern Wissen um Bienen vermitteln möchten. Auch wenn die Vereinsmitglieder, die überwiegend berufstätig sind, nur einem Teil der Anfragen gerecht werden können, gibt es inzwischen ein Präsentations-Set, bestehend aus Schautafeln und Schaukästen aus Plexiglas, in denen sich eine bis zwei Waben mit Bienen unterbringen lassen. Ein solcher Bienenvortrag dauert etwa eine halbe Stunde. Was interessierte Kitas oder Schulen berücksichtigen sollten, wenn sie sich einen solchen Vortrag wünschen: Veranstaltungen an Wochenenden lassen sich für die Imker leichter realisieren, als Vorträge die wochentags in die normale Arbeitszeit fallen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Mettmanner Imkerverein

(Schaufenster Mettmann)