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Das Integration-Kulturzentrum (IKZ) in Mettmann: Nie den Faden verlieren

Das Integration-Kulturzentrum (IKZ) in Mettmann : Nie den Faden verlieren

Wenn die studierte Integrationsfachkraft Tamara Tabakovic Luft holt, um die vielfältigen Angebote aufzuzählen, die sie als Koordinatorin im IKZ Mettmann betreut, merkt man gleich, dass ein Gespräch nicht ausreicht, um die volle Bandbreite der Angebote wiederzugeben.

Wo soll man anfangen? Vielleicht mit dem farbigen Kreativcafé, in dem jeden Montag um 16 Uhr Kinder und Jugendliche zwischen fünf und vierzehn Jahren aus verschiedenen Herkunftsländern basteln und malen, aber auch unter Leitung einer Kunstpädagogin „Street Art“ entdecken? Den Musical-Aufführungen mit begeisterten kleinen Darstellern, die ein Team aus professionellen Theater- und Musikpäpädagogen gemeinsam fast jedes Jahr erarbeitet? Den musikpädagogischen Angeboten, die regelmäßig in den Räumen der AWO stattfinden? Aber nicht nur Kunst und Kultur bietet das IKZ an, auch Alltagsprobleme der Jugendlichen werden adressiert.

So entsendet der Verein, der unter anderem von der Paritätischen Akademie NRW und dem Mettmanner Integrationsrat gefördert wird, regelmäßig Medienpädagogen an Mettmanner und Erkrather Schulen, um über einen verantwortungsvollen Umgang mit dem allgegenwärtigen Handy aufzuklären, „Handyclipping“ nennt sich dieses Programm. Ein weiteres Projekt, das den achtsamen Umgang mit unserer unmittelbaren Umgebung fördert, ist das Malangebot „Mitgenommen“ für Alt und Jung. Hier werden - natürlich unter sachkundiger Anleitung - triste graue Wände im Stadtzentrum mit Motiven verschönert, die auf Natur, Menschen und eigene Erlebnisse verweisen.

Viele Pendler gehen täglich an den bunten Wänden am Brücker Berg vorbei und erfreuen sich an den leuchtenden Farben der ehemals tristen Betonwände. Da Lilia Lawruk, die ehrenamtliche Geschäftsführerin des 2003 gegründeten Vereins, selbst aus der Ukraine stammt, konnten hier besonders enge Bande geknüpft werden: Seit fünf Jahren findet ein regelmäßiger Austausch mit diesem Land statt, und zwar in beide Richtungen: Im Jahre 2018 besuchten Jugendliche die Hauptstadt Kiew und wurden gar von Bürgermeister Vitali Klitschko empfangen, der den Mettmanner Besuch zur Chefsache machte, im Gegenzug begrüßte Bürgermeister Thomas Dinkelmann eine ukrainische Delegation im darauffolgenden Jahr in Mettmann. Bis dorthin war es ein weiter Weg: 2016 fanden auch Kinder politisch verfolgter Eltern den Weg nach Deutschland, die in deutschen Familien ein Stück friedlicher Normalität spüren durften. Das Engagement eines Team ehrenamtlich aktiver Vereinsmitglieder richtet sich auch auf die Aufarbeitung deutscher Schicksale in der ehemaligen Sowjetunion.

So ist ihre Arbeitsgemeinschaft Herausgeber des Buches „Bewältigte Schicksale“ aus dem Jahre 2012, in dem das Schicksal deutscher Minderheiten dokumentiert wird, ebenso in vielen wechselseitigen Ausstellungen an prominenten Orten beider Länder. Ein wichtiges Anliegen ist ihr auch, Einwandererfamilien aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion in ihrem Demokratieverständnis zu schulen. Zu diesem Zweck wurde eigens der Verband „DEPART e.V. (Demokratie in Partnerschaft) mit acht Vereinen aus unterschiedlichen Städten gegründet.

Gesellig geht es bei den älteren Generationen zu: Im Frauencafé treffen sich Mütter und Kinder verschiedener Nationen wie Afghanistan, der Türkei und dem Irak mit deutschen Ehrenamtlerinnen zum Stricken. Bei dem regen Austausch dürften interessante Musterkombinationen zustande kommen, und der Gesprächsfaden reißt nie ab. Mittwochs lädt Olga Gofman schon seit 15 Jahre zum Seniorentreff in die Räume des DRK. Nicht unerwähnt bleiben sollen die äußerst beliebten regelmäßigen Kochkurse in den Räumen der AWO an der Gottfried-Wetzel-Straße, in denen die Küche unterschiedlichster Länder vorgestellt wird. Um mit einem weiteren Sprichwort zu enden: Hier geht Freundschaft und Verständigung buchstäblich durch den Magen!

(Constanze Backes)