Runder Geburtstag fürs Weltspiegel „Wir haben alles umgekrempelt“

Mettmann · Vor zehn Jahren hat Thomas Rüttgers das Kino in Mettmann übernommen. Mit klugen Investitionen, guten Ideen und vor allem einem starken Programm hält die Betreiber-Familie das Haus auf Erfolgskurs.

Thomas Rüttgers (links) und sein Sohn Julian betreiben seit zehn Jahren das Weltspiegel Kino in Mettmann. Und das sehr erfolgreich.

Foto: D. Herrmann

Der Anfang? Schwer. „Es war eine regelrechte Odyssee“, erinnert sich Thomas Rüttgers, „wir haben alles umgekrempelt.“ Neue Sitzreihen, neue Toiletten, neues Kassensystem – alles sollte modernisiert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Entsprechend hoch fielen die Investitionen aus. „Meine Frau“, erzählt Thomas Rüttgers, „war kurz vor dem Zusammenbruch.“ Klar, das Ganze war mit einem gewissen Risiko verbunden, aber der Unternehmer glaubte immer an den Standort Mettmann. Mitte Dezember 2016 startete die neue Ära unter seiner Leitung mit dem neuesten Film aus der Star-Wars-Reihe. Seither besuchten rund 600.0000 Menschen das Weltspiegel Kino und es wären noch mehr, wenn nicht die Corona-Pandemie dazwischen gefunkt hätte. Mittlerweile steigen die Zuschauerzahlen wieder kontinuierlich an. „Wir haben im Laufe der Zeit ein unheimlich gutes, persönliches Verhältnis zu den Menschen in Mettmann entwickelt“, sagt Julian Rüttgers, der 2021 die Leitung des Kinos von seinem Vater übernommen hat, also mitten in der Pandemie.

Damals, so Julian Rüttgers, sei er vor allem von einem Gedanken beseelt gewesen: „Ich muss unbedingt mein Personal halten, die sind mein Kapital.“ Er ließ das Autokino wieder aufleben. Und er investierte weiter in Verbesserungen bei Technik und Ausstattung. Dass die Leute zurück ins Kino kommen würden, davon war er überzeugt. Und er sollte recht behalten.

Der Mut zum Wagnis war dabei ein Schlüssel zum Erfolg. Ein zweiter war und ist das Programm oder wie Thomas Rüttgers es beschreibt: „Der Spagat zwischen Mainstream und anspruchsvolleren Filmen.“ Die Filmauswahl obliegt heute Julian Rüttgers und offensichtlich hat er in kürzester Zeit ein gutes Gespür dafür entwickelt, was die Menschen in Mettmann sehen möchten. Filmreihen wie die Ladies-Night, das Generationen-Kino oder die Filmauslese wenden sich an unterschiedliche Zielgruppen. Wer möchte, kann das Filmerlebnis sogar mit Handarbeit (Strick-Kino) oder einem Glas Wein (Vino-Kino) verbinden. Hinzu kommen Veranstaltungen wie der Poetry-Slam und Live-Übertragungen kultureller oder sportlicher Ereignisse. „Stillstand“, betont Julian Rüttgers, „gibt es bei uns nicht. Wir haben immer noch Ideen und Visionen.“ Dieser Einstellung verdankt das Mettmanner Publikum zum Beispiel auch die hochauflösende LED-Wand. Ebenfalls wichtig: die zahlreichen Kooperationen mit regionalen Akteuren, die Zusammenarbeit mit Schulen. „Das Kino“, sagt Julian Rüttgers, „bringt Leben in die Stadt, davon profitieren alle.“

Das soll freilich auch künftig so bleiben. „Das Weltspiegel in Mettmann“, sagt er, „ist unser erstes Kino. Allein deshalb haben wir dazu eine ganz besondere und persönliche Beziehung.“ Den zehnten Geburtstag möchte die Betreiberfamilie mit ihrem Publikum feiern, zum Beispiel mit vergünstigten Ticketpreisen am 4. und 5. Juli. Oder mit dem Lichtspieltag an jedem 7. des Monats mit ebenfalls ermäßigtem Eintritt. Highlight im Sommer: das Open-Air-Kino am Markt am 31. Juli und 1. August in der Oberstadt, zwei Filme unter freiem Himmel. Schöner kann man einen Geburtstag nicht feiern. Und für die nächsten zehn Jahre gilt das, was sich Julian Rüttgers schon während der Corona-Pandemie auf die Fahnen geschrieben hat: „Weiter, weiter, weiter.“

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