Bürgerinformationsveranstaltung zum Verkehrsentwicklungsplan: Wenig Neues in Sachen Verkehr

Bürgerinformationsveranstaltung zum Verkehrsentwicklungsplan : Wenig Neues in Sachen Verkehr

Im Oktober 2017 informierte die Stadt ihre Bürger über den Verkehrsentwicklungsplan. Nun gab es eine erneute Informationsveranstaltung zum Thema.

„Der Verkehrsentwicklungsplan soll helfen, die Attraktivität und Erreichbarkeit der Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer zu fördern, die Stadt in ihrer Funktion als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu stärken, die Straßenräume und das Stadtbild aufwerten und die Umweltbelastungen durch den Verkehr zu vermindern und die Verkehrssicherheit zu verbessern“, hieß es vor fast zwei Jahren. (www.schaufenster-mettmann.de/die-stadt/die-attraktivitaet-steigern_aid-36156409).

Die letzte Verkehrsstatistik zeigte, dass die Verkehrsunfälle mit Personenschäden vor allem auf der Düsseldorfer Straße und rund um die Innenstadt um mehr als 40 Prozent gestiegen sind und von der Erreichbarkeit und der Umweltbelastung können leidgeplagte Bürger einiges berichten. Das Foyer der Stadthalle war gut gefüllt, aus Sicht des Bürgermeisters dennoch weniger als beim letzten Mal. Dezernent Kurt-Werner Geschorec bot einen kleinen Rückblick in Sachen Verkehrsentwicklung in Mettmann, bevor Dr. Katja Engelen mit ihrer Präsentation begann.

Der Verkehrsentwicklungsplan enthält Prognosen für die Zukunft bis 2030/2035 und soll mögliche Lösungen aufzeigen, derer es offensichtlich aber nur wenige gibt. Dr. Katja Engelens Vorschlag, die Brötchentaste wieder zu verkürzen und den öffentlichen Parkraum teurer zu machen als die Parkhäuser, traf dann auch auf wenig Gegenliebe bei den Bürgern und Einzelhändlern. Axel Ellsiepen aus dem Vorstand von Mettmann Impulse machte sie darauf aufmerksam, dass es in der Innenstadt im Bereich Breitestraße und Poststraße schon heute freien Parkraum gibt, weil der Geschäftsbesatz im Zuge der Netztrennung längst abgenommen hat. Andere Bürger machten darauf aufmerksam, dass das vorgelegte Zahlenwerk zur Auslastung der Parkhäuser nicht mehr der Gegenwart entspricht, denn die Zahlen wurden vor der Netztrennung erhoben.

Vorschläge zu Änderungen der Ampelschaltungen mit einer Pförtnerung (verlängerte Rotphase) an der Kreuzung Düsseldorfer Straße/Südring brachten ebenso Einwendungen hervor. „Sie verstehen offensichtlich nicht, dass Mettmann eine Pendlerstadt ist und dass dort nachmittags nicht der Durchgangsverkehr den Stau auslöst, sondern Mettmanner, die von der Arbeit nach Hause möchten“, meldete sich ein Bürger zu Wort. Da helfe auch der Hinweis auf den Umweltverbund mit Stärkung des Radverkehrs und des ÖPNVs nur wenig, denn sowohl in Bezug auf die jeweilige Anbindung als auch auf die Kosten ist der öffentliche Personennahverkehr für die meisten Pendler keine Alternative.

Mehrfach konfrontieren Bürger, unter ihnen Dr. Helmut Peick und Ulrich Görgens, Dr. Engelen mit Rechenfehlern im Verkehrsentwicklungsplan und einer möglichen Fehleinschätzung der wirklichen Verkehrsbelange in Mettmann. Auch die angeführte Unwirtschaftlichkeit der Nordumgehung zerpflückten einige Bürger in der Präsentation und hielten Engelen vor, dass sie auf der Folgeseite eine Entlastung genau der Straßen aufzeige, die heute als Problemlage gesehen werden. Dr. Katja Engelen will die Einwendungen nun prüfen und Antworten nachreichen. Jürgen Gutt wies noch einmal auf den seit Einführung der LKW-Maut gestiegenen LKW-Verkehr auf der Düsseldorfer Straße hin.

Emotional eskalierte dieser Abend auch noch in den Reihen der Besucher. Martin André, sachkundiger Bürger der Grünen, hatte einem Bürger bei seinem Redebeitrag einen Vogel gezeigt. Als dieser sich entrüstete, versuchte André sich zu rechtfertigen „Mir ist das Verhalten der Bürger peinlich. Das Klein-Klein-Denken bei dem jeder nur sein eigenes Problem sieht, bringt uns nicht weiter“. Damit verschärfte er die Situation unglücklicher Weise weiter und brachte die Bürger gegen die Politik auf. Ute Stöcker meldete sich zu Wort und versuchte zu beschwichtigen, indem sie vermittelte, dass die Mehrheit der Ratsmitglieder mehr Bürgerbeteiligung begrüße und die Anliegen der Bürger ernst nehme.

Die Fragen und Einwände sollen nun nach der Sommerpause in die Beratung der politischen Gremien einfließen, die nicht einfach seien werden, denn „die eine Lösung“ für die Verkehrsproblematik in Mettmann gibt es offensichtlich nicht und ob kleine Stellschrauben die Situation verbessern können, bleibt abzuwarten.

(RG)
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