Im November 2024 wurde in Mettmann ein mehrstufiges Stadttaubenmanagement nach bundesweit bewährtem Vorbild beschlossen: kontrollierte Fütterung, die Errichtung eines Taubenhauses und schließlich Austausch von Eiern gegen Attrappen zur Bestandskontrolle. Für die Umsetzung gründete sich der Verein Stadttauben Mettmann e.V.. Die ehrenamtlichen Helferinnen füttern täglich hunderte Tauben an der genehmigten Stelle, versorgen kranke Tiere tierärztlich und lassen – wenn nötig – leidende Tiere einschläfern. „Die Ehrenamtlichen leisten genau das, was beschlossen wurde“, erklärt Co-Fraktionssprecherin Claudia Kamprolf.
„Aber sie tun es weitgehend auf eigene Kosten – obwohl ihnen die Kostenübernahme durch die Stadt zugesagt wurde.“ Die damalige Bürgermeisterin Sandra Pietschmann habe den Ehrenamtlichen ausdrücklich zugesagt, dass die Stadt die Futter- und Tierarztkosten übernimmt. Dies sei in Sitzungsprotokollen dokumentiert. „Das Problem: Im eigentlichen Beschluss wurden diese Kosten nicht explizit erwähnt“, kritisiert Claudia Kamprolf. „Diese Lücke nutzt die Stadtverwaltung nun aus.“ In seiner Antwort auf eine Anfrage der Grünen argumentiere Bürgermeister André Bär: Tauben seien nach Rechtsprechung keine Fundsachen, daher bestehe keine rechtliche Verpflichtung zur Futterversorgung. „Das mag formaljuristisch stimmen“, so Kamprolf, „aber politisch ist das ein Armutszeugnis. Die Stadt hat Ehrenamtliche um Hilfe gebeten, ihnen Zusagen gemacht – und lässt sie nun im Regen stehen.“ Die Folgen, so die Grünen, seien absehbar. Niemand müsse sich wundern, wenn der Verein Stadttauben Mettmann bald aufgebe. Um die Lücke im Ratsbeschluss zu schließen, wollen die Grünen nun einen Antrag einbringen: Ein mehrstufiges Verfahren des Stadttaubenmanagements soll umgesetzt werden, die Kosten dafür sollen von der Stadt Mettmann vollumfänglich übernommen werden – auch rückwirkend.
„Wir bitten die demokratischen Fraktionen im Rat um Unterstützung“, appelliert Martin André von den Grünen. Die Stadt Mettmann hat in einer eigenen Stellungnahme die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Demzufolge seien politisch aufgeworfene Fragen hinsichtlich einer Übernahme von Futtermittelkosten nicht nachvollziehbar, da der Verein erklärt habe, dies aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Außerdem seien im städtischen Haushalt keine Mittel für die Futtermittelaufwendung eingeplant.
Zudem suche die Verwaltung mit Hochdruck unter Beachtung der gesetzlich vorgegebenen Voraussetzungen weiterhin nach einem geeigneten Grundstück zur Errichtung eines Taubenturms. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Kooperationspartnern Stadttauben Mettmann e.V. und der Stadtverwaltung sei bisher geprägt von einem kontinuierlichen Austausch. Hierzu habe Bürgermeister André Bär erst kürzlich nach seinem Amtsantritt ein konstruktives und zielführendes Treffen mit der Vereinsführung gehabt.
Im weiteren Verlauf solle nun die tatsächliche Taubenpopulation durch Zählung festgestellt werden. Hierzu liegen laut Stadt entgegen anderslautender Aussagen noch keine belastbaren Informationen vor.