Nachdem das Wohnhaus von Gut Heresbach an der Stadtgrenze zu Wuppertal jahrelang leer stand und wie die Wirtschaftsgebäude der Hofanlage immer mehr dem Verfall preisgegeben war, ist nun die Rettung des historischen Ortes, an dem vor 530 Jahren Mettmanns berühmter Sohn, der Humanist Konrad Heresbach das Licht der Welt erblickte, angelaufen.
Bereits 1326 ist an der Stelle des heutigen Gutes ein Bauernhof urkundlich überliefert. Der Hof gehörte ab dem Hochmittelalter zur Honschaft Obmettmann, die als Teil des Amtes Mettmann zur Grafschaft Berg, dem späteren Herzogtum gehörte. Das Hofensemble besteht aus einem Wohnhaus, einem Torbau, einer großen und einer kleinen Scheune, einer Remise sowie einem Backhaus, zwischen denen sich verschiedene begrünte Freiflächen befinden. Eine historische Schmiede gehörte auch zum Gut, liegt heute als einziges Gebäude des Hofs auf einem benachbarten Grundstück. Neben dem Hof fließt der namensgebende Heresbach, der ungefähr 210 Meter südöstlich in die Düssel mündet. Mehr als 300 Jahre war Gut Heresbach im Besitz der Familie Scherler, bis es im September 2025 an die neuen Eigentümer überging. Nun wird Gut Heresbach zu neuem Leben erweckt und in einen modernen Arbeitsort zwischen Tradition und Moderne transformiert, in eine Ideenschmiede für Startups, die sich unter anderem mit den großen Fragen und Herausforderungen unserer Zeit beschäftigen. Eine Gruppe junger Unternehmer wird unter dem Namen „Neandervalley“ Büros und Co-Working-Flächen, Veranstaltungs- und Konferenzräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten und Werkstattflächen einrichten. Darüber hinaus soll das Erbe Konrad Heresbachs, sein Schaffen und Wirken, bewahrt und gewürdigt werden. Ein wichtiger Leitsatz der Unternehmer ist das berühmte Zitat Konrad Heresbachs: „…denn es gilt Irrtümer auszurotten, nicht Menschen“. Unter diesem Leitgedanken soll Gut Heresbach zu einem Ort des Miteinanders, des Schaffens und der Bildung entwickelt werden.
Neben der Sanierung der Wohn- und Wirtschaftsgebäude, der Remisen und Pferdetränken ist ein maßvoller, landschaftsgerechter, moderner und lichtdurchfluteter Ersatzbau für die einstige Strohscheune, die nur noch teilweise erhalten ist, geplant. Im September des vergangenen Jahres hat die Eigentümergemeinschaft Gut Heresbach erworben und mit der Sicherung der Gebäude begonnen. Um die historische Hofanlage einer neuen Nutzung zuzuführen und vor dem Verfall zu retten, hatten die Stadt als Planungs- und Genehmigungsbehörde, die Denkmalschutzbehörden, der Kreis als Landschaftsbehörde und Obere Bauaufsicht sowie Straßen NRW als Baulastträger gemeinsam ein überzeugendes Konzept für die Erschließung entwickelt. Damit wurden die besten Voraussetzungen geschaffen, um den Start-Up Hub „Neandervalley“ zu gründen. Auch der Landschaftsverband Rheinland, das Amt für Denkmalpflege im Rheinland und die Bezirksregierung helfen bei der Rettung von Gut Heresbach. Es werden derzeit mehrere Erschließungsalternativen als Grundvoraussetzung für das gesamte Vorhaben durch die Stadt Mettmann, Straßen NRW und den Kreis Mettmann geprüft. Da das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet „Gruiten Nord-Ost/Hahnenfurt“ liegt, muss eine Zufahrt gefunden werden, die sowohl die Sicherheit des Verkehrs als auch die Belange des Landschaftsschutzes berücksichtigt. Im Moment laufen dazu die Abstimmungen zwischen den Akteuren.
Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte signalisiert, dass das Vorhaben nicht raumbedeutsam ist und einer Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung eines Bebauungsplanes zugestimmt werden kann. Ende 2025 hatte die Mettmanner Politik einer Bebauungsplanänderung zugestimmt, um die Sanierung und maßvolle Erweiterung des kulturlandschaftsprägenden Gutes zu ermöglichen.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese hat jetzt mitgeteilt, dass der Wiederaufbau von Gut Heresbach in das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes aufgenommen wird.
Für die Sanierung und Restaurierung des Anwesens sollen rund 437.500 Euro bereitgestellt werden. Die Nachricht freut auch Stadtkonservatorin Dr. Yasmin Renges. „Gefördert werden über dieses Programm national wertvolle Kulturdenkmäler“, so Yasmin Renges, „was zeigt, welche Bedeutung das Anwesen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus hat.“ Die neuen Eigentümer von Gut Heresbach haben historische Dokumente, die sie beim Entrümpeln entdeckt hatten, dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.
Die Unterlagen dokumentieren die Belegschaft im frühen 20. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg, aber auch den landwirtschaftlichen Betrieb des Gutes mit einem Schwerpunkt in den 1960er- und 1970er-Jahren.