In diesen Tagen muss sich Michael Hoffstaedter den ein oder anderen Vorwurf von seinen Kundinnen gefallen lassen. „Viele schimpfen mich aus, weil ich demnächst aufhöre.“ Aber es hilft nichts, die Entscheidung ist gefallen, nach fast 120 Jahren schließt das Modehaus Hoffstaedter an der Freiheitstraße seine Pforten, ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest. Michael Hoffstaedter führt das Unternehmen in dritter Generation, sein Großvater Max Hoffstaedter gründete es am 1. April 1907 auf der Oberstraße 2. Fünf Jahre später folgte der Umzug auf die Johannes-Flintrop-Straße, die seinerzeit noch Wilhelmstraße hieß. 1950 übernahm die zweite Generation in Person von Siegfried Hoffstaedter die Verantwortung, er baute das Geschäft kontinuierlich aus, bevor er im Jahr 1986 an seinen Sohn Michael übergab, der zu dieser Zeit Biologie an der Heine-Universität studierte. Die Entscheidung für das Unternehmen sei ihm leicht gefallen, sagt er, „und ich habe sie nie bereut.“
Bis heute steht der 70-Jährige gerne im Geschäft, das sich mittlerweile auf der Freiheitstraße befindet, berät seine Kundinnen, plaudert mit ihnen. „Dieser Kontakt wird mir am meisten fehlen“, sagt er. Den Spaß an der Mode hat er über all die Jahre nie verloren. „Ohne den geht es einfach nicht aber andererseits freue ich mich jetzt auch auf den Ruhestand, ich habe acht Enkelkinder und viele Hobbys. Da kommt garantiert keine Langeweile auf.“ Einen Nachfolger für das Geschäft hat er trotz intensiver Bemühungen bislang nicht gefunden. Er sucht weiter, noch hat er die Hoffnung nicht ganz aufgegeben. Derweil läuft bereits der Räumungsverkauf. In diesen Tagen kommt ein letztes Mal neue Ware rein, die soll nach an die Frau gebracht werden. Danach ist endgültig Schluss, nach 119 Jahren.