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35 Jahre Dienst für die Stadtverwaltung: Rudi Barth: Mit Tango in den Ruhestand

35 Jahre Dienst für die Stadtverwaltung : Rudi Barth: Mit Tango in den Ruhestand

35 Jahre war er bei Wind und Wetter für die Stadtverwaltung im Einsatz. Jetzt wurde Rudi Barth offiziell verabschiedet.

Eigentlich wollte er im Mai los, doch Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch schnürt Rudi Barth zweimal in der Woche die Wanderstiefel, packt sich einen sieben Kilo schweren Rucksack auf den Rücken und wandert durchs Neandertal, macht Kilometer. Sobald es Corona zulässt, ist er weg, will den Kopf frei bekommen für seinen neuen Lebensabschnitt. Dafür trainiert er so lange, bis er ihn endlich gehen kann, den Jakobsweg, 800 Kilometer bis Santiago de Compostela.

Nach 35 Dienstjahren in der Mettmanner Stadtverwaltung hat Rudi Barth am 26. März seinen letzten Arbeitstag, dann endet ein Kapitel seines Lebens, auf das er immer wieder gerne zurückschauen wird. „Denn ich war gerne arbeiten. Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“, sagt der 65-Jährige, der zwar kein gebürtiger Mettmanner ist, aber vielen Mettmannern vor allem auch durch sein ehrenamtliches Engagement im Blotschenmarkt-Team bekannt ist.

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Am Montag hat sich Bürgermeisterin Sandra Pietschmann bei Barth für seinen Dienst, der oftmals über das Normalmaß hinausging, bedankt. „Sie waren immer einer, der auch selbst mit angepackt hat, wenn es nötig war“, sagte sie und wünschte ihm für seinen neuen „Unruhestand“ alles Gute. Barth hört bei der Stadt auf und steigt ins Unternehmen seiner Ehefrau Bettina Barth ein, die als Immobilienmaklerin tätig ist.

1986 fing der Schreiner und Maurermeister Barth im Tiefbauamt der Stadt Mettmann als Kanalmeister an, weil die Baubranche, in der er bis dahin tätig war, kriselte. Nach 14 Jahren im Tiefbauamt wechselte er zum Baubetriebshof, auf dem er bis heute als Einsatzleiter arbeitet: „Ich mag es, Menschen zu führen und zu lenken.“

Anders als früher, als Aufträge noch auf Zuruf erledigt wurden, gehe heute nichts mehr ohne schriftlichen Auftrag. Heute läuft vieles geordneter, brauchen wir auch Nachweise der geleisteten Arbeit“, sagt Barth. Allein für den Bereich Straßenunterhaltung sind es laut Barth 600 bis 700 Aufträge pro Jahr: Schlaglöcher, Schilder auf- und abbauen, Bürgersteige sanieren, Pfosten aufstellen und vieles mehr. Hinzu kommen viele weitere Aufträge für den Werkstattbereich und seine Malertruppe, erklärte Barth.

Der XXL-Blotschenmarkt, aber vor allem der lange, schneereiche Winter 2010/11 waren für Barth die größten beruflichen Herausforderungen. Über Wochen mussten er und seine Männer früh aus den Federn, um Straßen und Wege von Schnee und Eis zu befreien. Ein richtiger Knochenjob. „Da musste ich Kollegen, die völlig erschöpft waren, auch schon mal nach Hause schicken.“ Er selbst gönnte sich keine Pause.

Weil es im vergangenen Jahr wegen Corona fast gar keine Veranstaltungen gab, konnten er und seine 16 Mitarbeiter die Aufträge schneller als sonst abarbeiten. „Es gab ja keine Veranstaltungen, für die wir Bühne oder Hütten auf- und abbauen mussten. Der Karnevalsumzug im vergangenen Jahr war die letzte Großveranstaltung, die wir gemacht haben“, erinnerte sich Barth. Kein Weinsommer, kein Heimatfest, kein Blotschenmarkt.

Auf seinen neuen Lebensabschnitt freut sich der künftige Rentner, doch er verlässt die Stadt  mit einem weinenden Auge. „Den BBH, den Baubetriebshof, werde ich vermissen, meine zweite Familie“, sagte Barth.

Nicht nur die Wanderstiefel sondern auch die Tanzschuhe wird Barth anziehen, sobald dies wieder möglich wird. Seit 16 Jahren teilen er und seine Frau eine große Leidenschaft: Tango tanzen. Dem Blotschenmarkt-Team bleibt Barth erhalten und hofft, dass der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wieder stattfinden kann. Dann wird er auch seine Kollegen wiedersehen.