Vortrag über den Islam und Salafismus am KHG Gefahr der wortwörtlichen Auslegung

Mettmann · In einem Vortrag für Oberstufenschüler des KHG erklärte Dr. Michael Kiefer die Strömungen des Islam mit Schwerpunkt Salafismus.

 Dr. Michael Kiefer erklärt den Oberstufenschülern des KHG was den Salafismus vom Islam unterscheidet.

Dr. Michael Kiefer erklärt den Oberstufenschülern des KHG was den Salafismus vom Islam unterscheidet.

Foto: RG

"Was wissen wir über den Islam und gläubige Muslime?" Michael Kiefer beginnt seinen Vortrag mit einer Frage und der Antwort darauf "Sie beten fünfmal täglich, begehen den Fastenmonat Ramadan und erheben keinen Anspruch auf verbindliche, aus dem Koran abgeleitete Regeln."

Im weiteren Vortrag erläutert er dann, wodurch sich Salafisten von der Mehrheit der Muslime unserer Zeit unterscheiden. Er erklärt auch, dass Salafismus kein Name ist, den die Gruppe dieser Menschen sich selbst gegeben hat. Der Begriff stammt aus der Politikwissenschaft. Salaf kommt aus dem Arabischen und bedeutet Vorfahr. Salafisten folgen dem ursprünglichen Islam und legen den Koran mit seinen nicht chronologisch geordneten Suren wortwörtlich aus. Sie versuchen so zu leben, wie die gläubigen Muslime um 700 vor Christi Geburt lebten. Daraus resultiert auch, dass sie die strickte Geschlechtertrennung vollziehen. Frauen sollen sich im öffentlichen Raum nur vollverschleiert zeigen. Die Männer tragen ein Bärtchen, wie es früher von den Gläubigen getragen wurde. Dennoch sind weder die Vollverschleierung noch das typische Bärtchen eindeutige Kennzeichen. Salafisten interessieren sich nur für ihre Auslegung des Koran. Die Suren (Abschnitte im Koran), die von 610 bis 632 an den Propheten herabgesandt wurden, bezogen sich jeweils auf einen Anlass. Die wortwörtliche Auslegung des nicht chronologisch, sondern nach Größe der einzelnen Suren, geordneten Korans, lässt die anlassbezogene Auslegung nicht zu.

"Was macht den Salafismus für viele junge Menschen attraktiv? Warum konvertieren sie zum Islam?" fragt Kiefer die Oberstufenschüler. "Geringe Bildung", "keine Zukunftsperspektiven", "keine familiären Bindungen". "Naivität", "Gruppenzugehörigkeit" sind einige Antworten der Schüler. Kiefer ergänzt, dass viele Konvertiten im strikt ritualisierten Alltag Orientierung suchen. Oft kommen sie aus eher religionsfernen Familien. Wenn sie sich den Salafisten anschließen, spielt es plötzlich keine Rolle mehr, welche Noten sie haben oder wer sie bisher waren. Hier sind sie plötzlich jemand und erfahren eine Aufwertung. Niemand muss darüber nachdenken, was richtig oder falsch ist. Alles ist klar geregelt, eindeutig. Wer kein Geld hat, wird von anderen mitversorgt. Man gehört zur Avangarde, die sich für die höhere Sache einsetzt. Plötzlich ist man besser als andere, als Ungläubige. Die Jenseitsorientierung des Glaubens lässt das Leben im Diesseits unwichtig erscheinen, was wiederum erklärt, warum es unter IS-Kämpfern so viele Selbstmordattentäter gibt.

Ein Schüler möchte wissen, ob alle Salafisten gewaltbereit sind. Kiefer erklärt, dass nicht jeder, der sich anschließt auch gewalttätig ist. Salafisten, die nicht straffällig werden, bezeichnet man als 'Puristen‘. Viele Puristen gehen dennoch irgendwann weiter. Für eine Radikalisierung müssen allerdings mehrere Punkte zusammentreffen. Im Anschluss an den Vortrag können die Schüler in kleineren Gruppen weitere Fragen stellen.

Dr. Michael Kiefer beschäftigt sich u.a. mit der Radikalisierungsprävention und ist als Islamwissenschaftler am Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück tätig.

(Schaufenster Mettmann/RG)
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