Nachlese Spuren der Seidenstraße

Mettmann · Rund 30 geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger haben sich kürzlich auf den Weg gemacht, um bei einem Stadtrundgang ins 18. und 19. Jahrhundert einzutauchen.

Zwischenstation am Pferdebrunnen.

Foto: Kreisstadt Mettmann/Kreisstadt Mettmann

Bürgermeister André Bär und das Stadtarchiv hatten in der vergangenen Woche zur Premiere des historischen Stadtspaziergangs unter dem Motto „Auf den Spuren der Seidenstraße“ eingeladen. Das Team des Stadtarchivs mit Jacqueline Muhlack und Marinko Betker sowie Stadtkonservatorin Dr. Yasmin Renges entführten ihre Zuhörerinnen und Zuhörer ins Mettmann des 18. und 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurde ihnen auch die Baugeschichte einiger Baudenkmäler nähergebracht. Sie erfuhren zudem etwas über die Textilindustrie in Mettmann, insbesondere die Seidenindustrie. Im 19. Jahrhundert zählte die Familie Neviandt zu den reichsten Familien Mettmanns. Bereits im 18. Jahrhundert stellten sie mehrere Bürgermeister und hatten wichtige Ämter in der reformatorischen Kirchengemeinde inne.

Zusammen mit Carl Gotthilf Pfleiderer gründete Carl Wilhelm Neviandt die Seidenfabrik Neviandt & Pfleiderer und damit erreichte die Familie Neviandt ihren wirtschaftlichen Höhepunkt in Mettmann. Carl Gotthilf Pfleiderer stammte ursprünglich aus Waiblingen bei Stuttgart, sammelte Erfahrungen in einer Kölner Seidenfabrik und ließ sich in Mettmann nieder. Im Laufe der Industrialisierung wurde es für das Mettmanner Seidenunternehmen immer schwieriger. Die Straßen nach Mettmann waren in einem schlechten Zustand und durch die ungünstige geographische Lage war es schwer, Mettmann ans Eisenbahnnetz anzubinden. Alle Waren wurden über Treibpferde aus der Stadt gebracht. Zusätzlich verpasste die Mettmanner Textilindustrie die Modernisierung. Fabriken konnten deutlich größere Mengen produzieren als die Hauswebereien, die für Neviandt & Pfleiderer arbeiteten. Im Jahr 1906 stellte das Unternehmen seine Produktion schließlich ein.

Die arbeitslosen Hausweber fanden in anderen, aufblühenden Industriezweigen neue Arbeit. Wer den Stadtspaziergang verpasst hat, kann sich auch alleine auf Spurensuche begeben. Im Rathaus liegen die Flyer für den historischen Stadtspaziergang zum Mitnehmen aus. Eine digitale Version gibt es auf der städtischen Homepage. Weitere spannende thematische Stadtrundgänge, in denen die Geschichte Mettmanns zu bestimmten Themen beleuchtet wird, werden folgen.