„Wir wissen nicht alles, wir wissen nur wo es steht“

„Wir wissen nicht alles, wir wissen nur wo es steht“

Der Deutsche Sportclub für Fußballstatistiken ist ein Zusammenschluss von Daten-, Fakten- und Statistikfans. Im Laufe der Jahre hat der Verein in unzähligen Publikationen Zahlenwerke aus der Welt des Fußballs veröffentlicht.

In Mettmann ist mit Herbert Gerlach einer der Geschäftsführer dieses ganz besonderen Vereins beheimatet.

Wer Fußballstatistiken liebt, muss nicht zwangsläufig jedes Spiel, das live im TV gezeigt wird, sehen. Er muss auch nicht unbedingt Sport-Bild, Kicker oder 11 Freunde im Abo haben. Wer Fußballstatistiken "sammelt", muss auch keine Sportschau und keinen Doppelpass am Sonntagmorgen schauen. Alles kann, nichts muss - das könnte das Credo der Fußballstatistiker sein. Denn genauso vielfältig wie die Welt des Fußballs ist, so unterschiedlich sind auch die Statistikfans des DSFS. Herbert Gerlach und Michael Diepenbrock sind zwei von insgesamt rund 400 Mitgliedern, die es bundesweit gibt. Die Beiden gehören zur "Spitze" des Deutschen Sportclubs für Fußballstatistiken und sie lieben den Fußball auf ihre eigene Weise. Doch Freaks, die 24 Stunden am Tag Fußball "leben", sind sie nicht. "Ich bin ganz normaler Fan von Borussia Mönchengladbach und verfolge die Ergebnisse meines Teams", sagt Michael Diepenbrock. "Ein Groundhopper, der sich ständig Livespiele der unterschiedlichsten Ligen reinzieht, bin ich aber nicht und ein Sky-Abo hab ich auch nicht."

Bei Herbert Gerlach sieht das ähnlich aus. Der Mettmanner ist Geschäftsführer des DSFS und wohnt ländlich-idyllisch auf dem Nösenberg. "Meine Familie hat Dauerkarten für Fortuna Düsseldorf und wir lieben den Verein, doch darauf beschränken sich die Livespiele dann aber auch." Herbert Gerlach ist seit 1978 Mitglied im DSFS, eine Kleinanzeige im Kicker hat ihn damals neugierig gemacht. "Wir suchen Mitglieder, wer hat Spaß, da mitzumachen" - so stand es damals in Vor-Internetzeiten in Deutschlands größtem Fußballmagazin. Gerlach wurde neugierig, meldete sich und aus dieser Spontanidee ist eine Mitgliedschaft von über 40 Jahren geworden. Heute ist Gerlach vor allem für die Organisation der Jahrestreffen zuständig. Die finden immer an unterschiedlichen Orten im ganzen Bundesgebiet statt. "Für mich persönlich steht die Gemeinschaft des Vereins im Vordergrund. Da sind richtig enge Freundschaften zwischen den ganzen Familien der Mitglieder entstanden."

Doch was macht der DSFS jetzt überhaupt? "Wir sammeln Daten und Fakten rund um den Ligafußball", sagt Michael Diepenbrock, seines Zeichens Regionalleiter West im DSFS. "Von der Bundesliga bis runter in die untersten Amateurligen stellen wir die Statistiken zusammen, die dann jährlich in unterschiedlichen Publikationen veröffentlicht werden." Dabei spielt der Amateurbereich die eigentliche Hauptrolle. "Die unteren Ligen sind unsere Leidenschaft", sagt der Münsterländer Diepenbrock. Wobei "uns" schwierig ist, denn so unterschiedlich die Mitglieder des DSFS sind, so unterschiedlich sind ihre Themengebiete. "Wir haben ein Mitglied, das mit einer Japanerin verheiratet ist und sich sehr für Fernost interessiert. Der Kollege arbeitet zurzeit an einer 600-seitigen Arbeit über die verschiedenen Ligen in Japan." Diepenbrock liebt den Fußball der Benelux-Länder und ist neben seiner "alltäglichen Arbeit" an den deutschen Ligen in eine geplante Publikation über Belgien, die Niederlande und Luxemburg vertieft. "Das Buch soll 60/65 Jahre der jeweiligen Ligen beinhalten." So ganz nebenbei eben...

Eine Sisyphusarbeit wenn man so will, denn die Arbeit hört nie auf. Doch genau das ist es, was Männer wie Diepenbrock und Gerlach so fasziniert. "Natürlich muss man Spaß an Zahlen haben, sonst ist man bei uns fehl am Platze. Und chaotisch sollte man nicht veranlagt sein, denn ohne eine gewisse Ordnung kann das nichts werden." Und Geld bekommt man dafür auch nicht. Zwar kosten die Publikationen, die beim DSFS bestellt werden können, etwas, doch das deckt nur die Ausgaben der Statistiker. Anfragen von den "Großen" haben die Mitglieder vom DSFS auch schon bekommen. "Bei mir fragte die Hamburger Morgenpost mal an, die wollten Infos über den HSV. Oder der FC Schalke 04 benötigte Material für die Vereinschronik. Da helfen wir natürlich, wenn es möglich ist." Überhaupt umweht diese Statistiker eine Aura der Ruhe und Abgeklärtheit, gepaart mit ganz viel Idealismus. Ihnen macht das Sammeln von Informationen einfach einen Riesenspaß und dabei helfen natürlich auch die modernen Medien. Doch daraus abzuleiten, dass der DSFS einen Anspruch auf Vollständigkeit hätte, wäre unangemessen. Das ginge ja auch gar nicht. Wie sagt Michael Diepenbrock so schön: "Wir wissen nicht alles, wir wissen nur, wo es steht."

(Schaufenster Mettmann)
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