Brieftauben sind echte Ausdauerwunder

Brieftauben sind echte Ausdauerwunder

Artur Koslowski stammt gebürtig aus Ostpreußen. Der Mettmanner hat seine Kindheit auf dem heimischen Hof mit vielen Tieren verbracht. "Dadurch hat sich meine Liebe zu Tieren entwickelt", sagt der Rentner, der in seiner Freizeit Flugtauben züchtet.

Kenngelernt hat er die Zucht und den Taubensport durch einen Bekannten aus Wuppertal-Dornap.

"Seit 1951 besitze ich Brieftauben. 1958 wurde in Wülfrath der Verein 'Blauer Vogel‘ gegründet, dem ich heute noch angehöre. Im selben Jahr ging auch die Reisevereinigung der Brieftaubenzüchter Mettmann und Umgebung e.V. an den Start, dessen Vorsitzender ich seit Jahren bin." Zunächst fuhr Koslowski mit seinen Tieren stets nach Wuppertal, von wo aus die Tauben zu den jeweiligen Auslassorten gefahren wurden. "Von den Auslassorten fliegen die Tauben zurück zu ihrem heimischen Taubenschlag. Ausschlaggebend dabei ist die Zeit, die für die Strecke benötigt wird." Was früher äußerst kompliziert war, ist heute durch moderne Technik recht einfach geworden.

Die Tauben bekommen vor jedem Flug einen Ring an den Fuß, der die genaue Zeit durch Lichtschrankentechnik misst. Diese Werte werden dann ausgewertet und übermittelt. Heute hat der Verein seine Domizil an der Schwarzbachstraße. "Dort haben wir einen Transporter stehen, mit dem wir die Tiere transportieren können. Die Züchter bringen ihre Tauben lediglich bis zu unserem Hauptsitz, danach dürfen sie keinen Einfluss mehr auf das Fluggeschehen nehmen", verrät Wolfgang Hanke. Der Geschäftsführer des RV Mettmann und Umgebung bekam seine ersten Tiere bereits im Alter von zwei Jahren. "Die Leidenschaft für die Tauben habe ich von meinem Großvater geerbt. In erster Linie sollen es die Tiere bei mir gut haben. Meine älteste Taube wurde 21 Jahre alt. Selbst wenn sie nicht mehr in der Lage sind, an Wettbewerben teilzunehmen, haben sie bei mir ein sicheres Zuhause."

Bis zu 600 Kilometer legt eine Taube auf ihrem Wettbewerbsflug zurück. Zwischen 60 und 120 Stundenkilometer - je nach Wetterverhältnissen - sind die kleinen Ausdauerwunder schnell. "Die ersten Testflüge machen wir auf einer Distanz von 30 Kilometern. Sobald die Jungtiere ein halbes Jahr alt sind, können sie an Preisflügen teilnehmen", erklärt Wolfgang Hanke. 120 Tauben besitzen die beiden Züchter jeweils. Die Taubenzucht hat mit der Zeit jedoch an Beliebtheit verloren. Kaum ein Jugendlicher ist mehr gewillt, seine Freizeit in die Zucht der Tiere zu investieren. "Im ganzen Bundesgebiet zählen wir noch rund 40.000 Züchter. In Mettmann und Umgebung sind von rund 50 Züchtern noch 30 übrig geblieben, Tendenz sinkend." Für Artur Koslowski und Wolfgang Hanke ist dies jedoch kein Grund, aufzuhören. Die Saison, die im April startet und bis August läuft, steht schließlich bevor. "Im vergangenen Jahr haben wir 13 Preisflüge mit unseren Alttauben und fünf Preisflüge mit den Jungtieren organisiert. Das streben wir auch in diesem Jahr wieder an."

(Schaufenster Mettmann)
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