Herausforderungen im Einzelhandel „Ich sehe das Gute im Kleinen“

Mettmann · Hohe Mieten, teure Energie, Kaufkraftabfluss – die Zeiten für den Einzelhandel sind nicht leicht. Die Mettmanner Geschäftsinhaberin Cora Fuchs erzählt im Interview von Herausforderungen, wie sie ihnen begegnet und wie sie dabei zuversichtlich bleibt.

Geschäftsfrau und Optimistin: Cora Fuchs.

Foto: Cora Fuchs

Wer etwas über die Stimmungslage in Mettmann im Allgemeinen und über die der Einzelhändler im Besonderen erfahren möchte, der macht keinen Fehler, wenn er bei Cora Fuchs nachfragt. Seit 11 Jahren betreibt die Kauffrau das Geschäft „Miss Fox“ auf der Freiheitstraße im Herzen der Innenstadt, zudem ist sie Gründerin der Initiative ShopkulturME, einem Zusammenschluss von rund 20 Einzelhändlern, die in engem Austausch miteinander stehen und gemeinsame Interessen vertreten.

Frau Fuchs, gefühlt schlittert die Welt seit einigen Jahren von einer Krise in die nächste. Viele Menschen schauen verunsichert auf die Dynamik der Entwicklungen. Wie empfinden Sie das?

Cora Fuchs: Was da passiert, geht natürlich auch an mir nicht spurlos vorbei. Mittlerweile habe ich eine Taktik entwickelt: Ich bleibe informiert, schotte mich aber auch immer wieder gezielt ab vom andauernden Nachrichtenstrom. Man muss sich nicht überall emotional engagieren.

Und das funktioniert?

Frau Fuchs: Bei mir schon. Ich finde es auch wichtig, sich nicht von einer gefühlten Realität leiten zu lassen und sich stattdessen klar zu machen, dass es uns im Grunde nach wie vor sehr gut geht.

Sie setzten den Krisen Optimismus entgegen.

Frau Fuchs: Unbedingt. Ich sehe ständig das Gute in kleinen Dingen; in einer Kunstausstellung, die ich besuche, oder in tollen Gesprächen mit Kunden, die ich jeden Tag führe. Glücklicherweise macht mein Beruf das möglich. Dafür bin ich sehr dankbar.

Apropos Beruf: Sind sie in wirtschaftlicher Hinsicht auch so guter Dinge?

Frau Fuchs: Da sieht es etwas anders aus, leider. Der April war trotz des guten Wetters eher bescheiden. Das macht mir Sorgen.

Woran liegt das?

Frau Fuchs: Ich sehe das ja hier jeden Tag, es kommen weniger Menschen in die Innenstadt und es gibt eine allgemeine Kaufzurückhaltung. Die Leute halten ihr Geld gerade lieber zusammen. Ohne meine Stammkundschaft wäre ich aufgeschmissen. Bei vielen meiner Kolleginnen und Kollegen in der Innenstadt sieht die Situation ganz ähnlich aus.

Nicht alle Probleme im Einzelhandel hängen mit den aktuellen Krisen zusammen. Seit Jahren zerbrechen sich Experten den Kopf darüber, wie der stationäre Handel gestärkt werden kann.

Frau Fuchs: Viele Leute denken, es lohnt sich nicht mehr, in die City zu gehen. Das ist ja in unseren Nachbarstädten auch nicht anders. Aber das stimmt nicht. Wir haben hier ein großes Angebot, man muss sich nur aufmachen, um es zu entdecken. Ich plädiere dafür, der Sache eine Chance zu geben. Kommt vorbei, traut euch in die Läden, es lohnt sich und es macht Spaß!

Da ist er wieder, der Optimismus. Aber für die Kaufleute wird es immer schwieriger: hohe Mieten, steigende Energiekosten, Konkurrenz durch den Online-Handel, um nur einige Faktoren zu nennen.

Frau Fuchs: Damit haben wir alle zu kämpfen, schon richtig. Das möchte ich auch keinesfalls kleinreden.

Erwarten Sie mehr Unterstützung von der Stadt?

Frau Fuchs: Wir sind zunächst mal ganz froh, dass die Gewerbesteuer nicht weiter steigen soll, obwohl man an der Stelle hinzufügen muss, dass die jetzt schon extrem hoch ist. Was wir brauchen, sind gut Rahmenbedingungen, um verlässlich planen zu können. Wo die Stadt uns helfen könnte, wäre beim Thema Parkraum. Viele Menschen fahren mit dem Auto zum Einkaufen in die Stadt und für die braucht es günstige Parkplätze. Ich bin beispielsweise dafür, die „Brötchentaste“ auf eine Stunde auszuweiten. Parkplätze abbauen oder verteuern, das bricht uns das Genick.

Experten sagen, dass allein ein gutes Angebot nicht mehr ausreicht, um genügend Menschen in die Innenstädte zu locken. Nötig seien Events und Aufenthaltsqualität.

Frau Fuchs: Da kann man sicherlich noch viele Ideen entwickeln. So etwas wie das „Kneipenhopping“ neulich. Müsste dann natürlich tagsüber stattfinden, damit wir etwas davon hätten. Ich würde mir auch etwas mehr Begrünung in der Innenstadt wünschen. Aber andererseits haben wir schon viele schöne Orte und eine tolle Gastronomie. Ich sehe da Menschen, die sich unterhalten, lachen und auch gerne wieder kommen. So muss das sein, und das müssen wir erhalten und ausbauen.

Was machen Sie, wenn das auf Dauer nicht klappt?

Frau Fuchs: Ich bin jemand, der immer einen Plan B hat und sogar einen Plan C.

Wie ist denn der Plan B?

Frau Fuchs: (lacht) Verrate ich nicht.

Schade. Plan C?

Frau Fuchs: Auch nicht. Nur so viel, es muss nichts mit dem Thema Einzelhandel zu tun haben.

Aber Sie möchten lieber bei Plan A bleiben, richtig?

Frau Fuchs: Ich hänge sehr an meinem Geschäft und ich möchte unbedingt, dass es weitergeht. Das Konstrukt Innenstadt tut den Menschen gut, wie schade wäre es, wenn es das nicht mehr gäbe? Wir müssen uns die Frage stellen: Will ich wirklich irgendwann alles vom Computer aus bestellen oder möchte ich durch eine Stadt schlendern, Dinge in die Hand nehmen, bevor ich sie kaufe, Menschen begegnen, ein Eis essen? Das stirbt ja alles zusammen und das kann es in meinen Augen einfach nicht sein.

(dir)