Warum Nachwuchs für das Ehrenamt so wichtig ist
Hilfsorganisationen, Vereine oder lokale Initiativen: Sie alle sind in Mettmann, ebenso wie in der Region und generell in der Bundesrepublik, auf engagierte Mitglieder angewiesen. Die gute Nachricht dahingehend: Laut dem Deutschen Freiwilligensurvey des "Bundesverbandes Deutscher Stiftungen" engagieren sich schon heute 36,7 % der Bevölkerung ab 14 Jahren. Die Realität ist aber auch, dass das einem Rückgang von ehemals 39,7 % im Jahr 2019 entspricht. Die Problematik, die Nachwuchslücke zu füllen, ist also selbst über relativ kurze Zeiträume klar erkennbar.
Für die betroffenen Organisationen sind derartige Personalengpässe eine Herausforderung. Ist nicht genügend Personal vorhanden, lassen sich entweder gar keine Veranstaltungen organisieren oder das vorhandene Personal muss auf ehrenamtlicher Basis noch mehr Aufgaben übernehmen und Zeit investieren. Soziale Projekte kommen zu kurz, Vereinsangebote werden mitunter ersatzlos gestrichen, und auch die Strukturen im Verein selbst leiden darunter. Das ist verständlich, schließlich kann speziell bei ehrenamtlichen Tätigkeiten eine einzelne Person nicht im Alleingang die Aufgaben von drei Personen übernehmen. Zumindest nicht dauerhaft und parallel zum Job.
Potenzial für Nachwuchs gibt es durchaus. Eine Umfrage der Malteser ergab, dass in der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen zwar nur 21 % bereits ehrenamtlich tätig sind, sich aber 56 % der noch nicht ehrenamtlich Tätigen künftig vorstellen könnten, ein Ehrenamt zu übernehmen. Diese jungen Menschen füllen nicht "nur" eine Lücke, sie können zugleich frische Ideen und wertvolle digitale Kompetenzen mitbringen. Neue Perspektiven, speziell für die künftige Gewinnung neuer Ehrenamtler, sind ebenso von großer Bedeutung. Es liegt zunächst an den Organisationen und Vereinen, diesen Nachwuchs zu aktivieren und für sich zu gewinnen. Nicht nur um die absolute Zahl der Mitglieder "einfach so" zu erhöhen, sondern um selbst zukunftsfähig zu bleiben.
Was junge Menschen für ein Ehrenamt motiviert
Die Notwendigkeit, den Nachwuchs für Ehrenämter zu gewinnen, ist unbestritten. Aber allein der Wille genügt nicht. Vereine und Initiativen benötigen klare Konzepte und einen durchdachten Plan. Speziell wenn man junge Personen für das Ehrenamt gewinnen möchte, wie aus der Generation Z und Alpha, müssen diese kommunikativ und mit einem klaren Leitbild abgeholt werden. Beide Generationen gelten als ausgesprochen werteorientiert, sie engagieren sich eher nicht aus der Tradition heraus, sondern weil sie einen tieferen Sinn im Ehrenamt suchen. Aufgaben, die wirklich sinnstiftend sind und deren Wirkung greifbar ist, können ein Motivationsboost sein.
Ehrenämter sollten und dürfen außerdem kein enges Korsett sein. Junge Menschen sind schließlich vielbeschäftigt mit dem Studium und der Schule, Praktika, Ausbildung und einer gesamtwirtschaftlichen Situation, die speziell in jüngeren Altersgruppen kontinuierlich Kaufkraft erodiert. Wöchentliche Pflichttermine und lange Sitzungen im starren Vereinskorsett lassen sich ersetzen, zum Beispiel durch die Möglichkeit eines projektbasierten Engagements. Junge ehrenamtlich Tätige müssen sich also nicht immer und bei allem engagieren, sondern haben eine gewisse Wahlfreiheit. Aus Sicht der Vereine ist solch ein sporadisches Engagement immer noch besser als gar keins.
Junge Menschen möchten außerdem nicht nur zur verlängerten Hand degradiert werden, die Flyer verteilen und die Müllsäcke vom Vereinsgelände bringen. Es ist eigentlich selbstverständlich, dass diese ihre gewählte Initiative und Organisation mitprägen und persönlich gestalten möchten. Es liegt an den Organisationen, Strukturen zu schaffen, die das überhaupt erst ermöglichen. Der Einstieg in das Ehrenamt sollte natürlich ebenfalls möglichst niedrigschwellig sein. An dieser Stelle helfen direkte, leicht zugängliche Ansprechpartner, kompakte Projektformate und digitale Kommunikationswege zur ersten Kontaktaufnahme.
Sichtbarkeit mit moderner Ansprache und gelungenem Auftritt
In Zeiten der digitalen Reizüberflutung ist es als Organisation gar nicht so einfach, auf sich selbst aufmerksam zu machen. Trotzdem ist das nun einmal notwendig, denn nur mit einer ausreichend großen Reichweite kann man überhaupt genügend Menschen ansprechen, die gewillt sind, über das Ehrenamt nachzudenken. Soziale Medien, Schulen, Jugendzentren und lokale Veranstaltungen sind gute Orte, um die eigene Organisation hervorzuheben und um in einen ersten Dialog zu treten. Aktionstage, Stadtfeste und Informationsveranstaltungen sind weitere Möglichkeiten. Idealerweise setzen lokale Initiativen nicht nur auf ein Pferd, sondern nutzen unterschiedliche Möglichkeiten und sind wenigstens an einem Teil der genannten Orte präsent.
Einmal angekommen, müssen die schon vorhandenen Vereinsmitglieder auf sich aufmerksam machen, schließlich versucht man die jungen Menschen in ihrem privaten Umfeld beziehungsweise im Alltag abzuholen. Ein einheitlicher Auftritt des Vereins und genügend ansprechendes Infomaterial schaffen eine konstante Außenwirkung. Bedruckte T-Shirts oder andere einheitliche Kleidung sind empfehlenswert, denn so wird der Verein als Gruppe und Team sichtbarer und die Hemmschwelle für Interessenten, auf die Gruppe zuzugehen, ist automatisch niedriger. Ein einheitlicher Look setzt außerdem gewissermaßen ein optisches Ausrufezeichen und kommuniziert Zusammengehörigkeit sowie ein Wir-Gefühl, das speziell bei jungen Menschen von größerer Bedeutung ist.
Ein weiterer Tipp: Die Stadt Mettmann stellt eine Ehrenamtskarte aus, die einige Vorteile mit sich bringt, von der viele junge Menschen aber gar nichts wissen. Diesen Benefit aktiv zu kommunizieren, kann sich daher lohnen.
Ehrenamt ist wichtig - aber Wichtigkeit allein macht noch keinen Selbstläufer
Junge Menschen sind heutzutage alles andere als unpolitisch, auch egoistisch sind die Generationen Z und Alpha eher nicht. Die Realität ist aber auch: Diese jüngeren Generationen wachsen in turbulenten Zeiten gespickt mit Krisen und Herausforderungen auf. Gerade deshalb sind ehrenamtliche Organisationen so wichtig, aber auch deshalb liegt es an den Vereinen und Initiativen, aktiv auf den Nachwuchs zuzugehen. Viele junge Menschen sind gewillt, sich zu engagieren, vor allem wenn die Angebote sichtbar und sinnstiftend sind, eine flexible Ausrichtung haben und von Beginn an niedrigschwellig gestaltet wurden. Für lokale Initiativen ist es Zeit, sich dieser neuen Zeit gegenüber anzupassen. Auch, weil das Ehrenamt und dessen Fortbestand gesellschaftlich so wichtig sind.