„Das oberste Ziel der Hitzeaktionsplanung ist der Schutz besonders gefährdeter Gruppen, für die es meist gemeinsame Zuständigkeiten von Kreis und kreisangehörigen Städten gibt“, erklärten die Initiatoren des Konzepts, Klimaanpassungsmanager Jens Schmidt von der Stabsstelle Klimaschutz und Rolf Rheinschmidt vom Gesundheitsamt des Kreises Mettmann.
Von Anfang an setzten Kreis und Städte auf eine gemeinsame Strategie: Sie bündelten Kräfte, nutzten bestehende Strukturen, realisierten erste Maßnahmen schon gemeinsam und sparen so personelle und finanzielle Ressourcen. Im März diskutierten rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Städten und Kreisverwaltung die Maßnahmen – und passten sie praxisnah an, um die Zusammenarbeit weiter zu stärken.
Parallel zum politischen Entscheidungsprozess setzen Kreis und Städte aktuell weitere Maßnahmen im Hinblick auf den nahenden Sommer um: Dabei bleibt die Hitze-Homepage, die seit dem letzten Sommer unter www.hitze.me erreichbar ist, Dreh- und Angelpunkt der Strategie zur Risiko- und Informationskommunikation an die Bevölkerung. „Die hier bereitgestellten Informationen und Materialien wurden aktualisiert oder komplett neu erarbeitet. Zusätzlich findet sich hier auch weiterhin die kreisweite Kühle-Orte-Karte, zu der die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin Ergänzungen einreichen können“, berichtet Rolf Rheinschmidt vom Gesundheitsamt des Kreises Mettmann.
Weitere Maßnahmen: Nach der Mailingaktion an Arztpraxen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen im vergangenen Jahr werden nun alle Apotheken im Kreisgebiet mit Flyern und Postern ausgestattet, verbunden mit der Bitte, diese an vulnerable Kundinnen und Kunden weiterzuleiten. Um die vulnerable Gruppe der Kleinkinder zu erreichen, werden die Kitas und sonstigen Kinderbetreuungseinrichtungen im Kreisgebiet im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsförderung verstärkt informiert und ebenfalls mit Infomaterialien versorgt – zum Beispiel mit Hitzewarnern für Schlaf-/Ruheräume. Neben Informations- und Aufklärungsarbeit stehen der Kreis und seine Städte vor notwendigen infrastrukturellen Veränderungen. Ebenfalls in enger Kooperation erarbeiten die kreisangehörigen Städte zusammen mit der Kreisverwaltung ein gefördertes, kreisweites Entsiegelungskonzept, um auch langfristig der Hitzethematik zielführend begegnen zu können.
„Für die Umsetzung stehen bereits zugesagte Fördergelder für Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen auf den kommunalen Flächen im Kreisgebiet zur Verfügung, um auf Basis der Ergebnisse des Konzeptes baulich-technische Maßnahmen hin zu einer ‚blau-grünen Infrastruktur‘ umsetzen zu können – also mehr Wasserflächen, Bäume und begrünte Dächer, die Hitze mindern und Regenwasser speichern“, erklärt Klimaanpassungsmanager Jens Schmidt weiter.
Rund um den Hitzeaktionstag am Donnerstag, 11. Juni, gibt es zudem einige Vor-Ort-Aktionen des Kreises und der kreisangehörigen Städte. So startet am 11. Juni um 15 Uhr in Kooperationen mit dem Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann, im „Cafe Einblick“ (evangelische Kirche Mettmann, Freiheitsstraße 19a) ein Nachmittag mit Impulsen und Informationen rund um das Thema Hitze. Am Dienstag, 16. Juni, wird es im „Kaufhaus der Mettmanner“ (Bahnstraße 20) um 14 Uhr einen Hitze-Vortrag geben, und in diesem Rahmen wird als dauerhafter Infopunkt die „Hitzeecke“ eröffnet. Hier werden interessierte Bürgerinnen und Bürger des Kreises ab dann dauerhaft Infomaterialien auch in unterschiedlichen Sprachen (derzeit Arabisch, Englisch, Russisch und Türkisch) finden können. Ergänzend gibt es organisiert durch die kreisangehörigen Städte weitere Vor-Ort-Aktionen: So beispielsweise in Ratingen am 11. Juni ab 16 Uhr einen Aktionsstand zum Thema Hitze, unter anderem mit Hitzequiz beim Firmenlauf am Grünen See, sowie in Heiligenhaus am 14. Juni von 11 bis 17 Uhr einen Infostand „Hitze“ mit praktischen Tipps für heiße Tage und ergänzenden Mitmachaktionen beim Sommerfest am Panoramaradweg.
Hintergrund
Nach wie vor stellt der Klimawandel die größte Herausforderung für die menschliche Gesundheit dar – dabei erwärmt sich Europa schneller als andere Kontinente und auch in Deutschland sind die Herausforderungen groß: Die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden fordern die Gesellschaft immer häufiger heraus, wie auch die aktuelle frühe Hitze im Mai - inklusive Temperaturrekorden in Frankreich und Großbritannien – verdeutlicht hat. Die Zunahme von „Sommertagen“ (Tageshöchsttemp. ≥ 25 Grad) beziehungsweise „Heißen Tagen“ (≥ 30°C) führt zu einer vermehrten Erhitzung von Gebäude, Straßen und Anlagen mit den dazugehörigen Belastungen für den menschlichen Körper, gleichzeitig erhöht die Zunahme an „Tropenächten“ (nächtliche Temp. ≥ 20°C) den nächtlichen Wärmestress der Einwohner.
Im Kreis Mettmann wurde Hitzevorsorge schon früh als wichtiges Thema ausgemacht und als Maßnahme im Integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept (2018) festgeschrieben. Seit 2024 widmet sich die Kreisverwaltung, unter Federführung der Stabsstelle Klimaschutz und im Schulterschluss mit dem Kreisgesundheitsamt, in Kooperation mit den kreisangehörigen Städten mit einer kreisweiten Hitzeaktionsplanung verstärkt dieser Thematik. Der Kreis hat bereits erste Maßnahmen umgesetzt und unterstützt die Städte dabei, eigene Hitzeaktionspläne zu entwickeln – angepasst an ihre lokalen Gegebenheiten.