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Gesamtschule Mettmann: „Das wird kein ruhiger Job“

Gesamtschule Mettmann : „Das wird kein ruhiger Job“

Die Vorbereitungen für den Start der Gesamt- schule sind in vollem Gange. Das dafür zuständige Team besteht aus fünf Lehrern. Einer von ihnen: Matthias Messing, der sich auch für die Schulleitung bewerben möchte.

„Es wird Zeit, dass wir eine Gesamtschule in Mettmann bekommen“, sagt Matthias Messing. Er selbst ist schon lange dieser Meinung und nun geht sein Wunsch aller Wahrscheinlichkeit nach schon bald in Erfüllung.

Wenn im Februar mehr als 100 Eltern ihre Kinder für die Gesamtschule anmelden, gilt diese als gegründet. Matthias Messing arbeitet derzeit noch als Lehrer und Teil der Schulleitung an der Sekundarschule in Hilden; er ist außerdem im Vorbereitungsteam Gesamtschule Mettmann, das aus fünf Lehrern besteht, die sich ehrenamtlich für einen reibungslosen Start des neuen Instituts engagieren. Alle fünf werden auch Teil des Kollegiums an der Gesamtschule sein. „Da kommen natürlich noch einige hinzu“, sagt Matthias Messing, „das wird sicher kein ruhiger Job in den ersten Jahren. Auf uns wartet eine Menge Arbeit.“ Dennoch macht er sich keine Sorgen, dass ein Mangel an Kandidaten herrschen könnte. Das Interesse sei groß, die Zahl der Anfragen, so Messing, habe ihn regelrecht überrascht.

Arbeit freilich gibt es auch jetzt schon reichlich, die Zeit drängt und die Einschränkungen durch die Pandemie machen die Sache nicht leichter. Zwar hat sich das Team bereits in den Herbstferien kennen gelernt, aber erst nach dem Ratsbeschluss am 17. November, der die Gründung der Gesamtschule auf den Weg gebracht hatte, starteten die konkreten Vorbereitungen. Schon eine Woche später ging die erste Version der Homepage online, auf der seitdem wichtige Informationen rund um die Gesamtschule veröffentlicht werden. Viel Zeit nimmt die Organisation für die Anmeldungen in Anspruch. Darüber hinaus gilt es, den Eltern der Schüler ausreichende Informationen zur Verfügung zu stellen. Insgesamt besuchen derzeit 329 Kinder in Mettmann die vierte Klasse und stehen damit kurz vor dem Wechsel auf eine weiterführende Schule.

Das Vorbereitungsteam um Matthias Messing hat einen Flyer konzipiert, der an alle betroffenen Eltern verteilt wurde. Darin wird das Konzept der Gesamtschule beschrieben. Allerdings ohne Anspruch auf Endgültigkeit, betont Matthias Messing. Es gehe um einen Prozess, an dem Eltern, Lehrer und Schüler teilhaben sollen. Der Aspekt der Mitwirkung von Eltern, Schülern und Lehrern im Verbund ist dem Vorbereitungsteam besonders wichtig.

Konzept der Gesamtschule

Zu den Grundpfeilern der Gesamtschule gehört unter anderem die individuelle Förderung und Begleitung der Kinder. Stärken sollen gezielt ausgebaut und Schwächen aufgefangen, unterschiedliche Lerntypen berücksichtigt werden. An der Gesamtschule sind sämtliche Abschlüsse möglich, angefangen beim Hauptschulabschluss bis hin zum Abitur. Die Chancen auf den besten Abschluss bleiben dabei so lange wie möglich offen, eine Festlegung nach der vierten Klasse ist nicht notwendig. Schülerinnen und Schüler erhalten die Anleitung zu eigenständigem und selbst gesteuertem Lernen. „Das bedeutet nicht, dass irgendjemand mit seinen Problemen allein gelassen wird“, führt Matthias Messing aus. Wer Hilfe brauche, bekomme diese selbstverständlich. Dazu gehöre auch, dass sich die Kinder gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Letztlich gebe es ein Minimalziel für alle, aber mit Differenzierungen nach oben. Das soll im Klassenverband auf zwei Anforderungsebenen stattfinden oder – in höheren Jahrgängen – in Form von Grund- und Erweiterungskursen. Im Flyer heißt es: ‚So schafft es eine Gesamtschule, dass Schülerinnen und Schüler bis zum ersten Abschluss nach Klasse 9 nicht sitzenbleiben oder gar die Schule wechseln müssen.’

Der Stundenplan

Der Flyer beinhaltet auch das Beispiel eines Stundenplans. Auffällig: Die Dauer einer Schulstunde beträgt nicht 45, sondern 60 Minuten. „Angedacht ist in jedem Fall eine längere Stundentaktung“, erklärt Matthias Messing dazu, „ob es jetzt tatsächlich 60 Minuten werden ist noch nicht endgültig entschieden.“ Die zusätzliche Zeit solle vor allem zur Intensivierung von Gruppen- und Partnerarbeit genutzt werden. Fester Bestandteil des Stundenplans sind die so genannten Lernzeiten, in der Kinder sich Schulaufgaben widmen und den Lernstoff vertiefen können. Auf Hausaufgaben soll weitgehend verzichtet werden. Die Gesamtschule ist eine Ganztagsschule. An langen Tagen endet der Unterricht auf dem Beispiel-Stundenplan um 15.35 Uhr. In einer 60-minütigen Mittagspause erhalten die Kinder die Möglichkeit, in der Mensa ein warmes Mittagessen einzunehmen.

Stand der Vorbereitungen

Matthias Messing gibt sich optimistisch: „Ich denke wir liegen gut in der Zeit mit unseren Vorbereitungen.“ Dennoch gibt es freilich noch viel zu tun bis zum möglichen Start nach den Sommerferien. In den ersten zwei Jahren kommt die Gesamtschule in der ehemaligen Hauptschule am Borner Weg unter. Eine Ertüchtigung der Räumlichkeiten tut Not, die Stadt hat dafür einen entsprechenden Betrag zur Verfügung gestellt. „Wir müssen noch eine komplette Bestandsaufnahme des vorhandenen Mobiliars durchführen“, erzählt Matthias Messing. Auch Rechner müssten noch angeschafft werden, die vorhandenen Geräte fielen eher in die Kategorie ‚Elektroschrott’.

Zukunft der Gesamtschule

Der Umgang mit digitalen Inhalten solle wichtiger Teil des Unterrichts werden. Feinarbeiten am Konzept seien noch notwendig: Wie wird der Unterricht konkret ablaufen? Welche Schulbücher sollen angeschafft werden? Wie und mit welchen Angeboten wird der Ganztag organisiert? Und: Wer übernimmt die Schulleitung? Matthias Messing will sich dafür bewerben.

Die Gesamtschule startet mit mindestens vier Zügen, sprich vier Klassen mit jeweils 27 Kindern. Fünf Züge, sagt Matthias Messing, wären auch problemlos möglich, bei sechs würde es langsam eng. Nach zwei Jahren soll die Gesamtschule am Standort der jetzigen Realschule weitergeführt werden. Dort sind bauliche Maßnahmen vorgesehen. Doch reicht der Platz dann? Matthias Messing könnte sich auch vorstellen, dass der Standort am Borner Weg zusätzlich bestehen bleibt. Auch Container hält er für denkbar. 

Und wie sieht es mit einem Namen für die neue Schule aus? Bis auf weiteres soll sie Städtische Gesamtschule Mettmann heißen. Matthias Messing: „Über einen anderen Namen zu sprechen, wäre verfrüht. Am Ende entscheidet das die Stadt.“ Schön fände er, wenn es später einen Namen mit einem klaren Bezug zu Mettmann gebe. Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment sehnt er die Zeit der Anmeldung herbei. Wenn alles gut geht, will sich das Vorbereitungsteam ein Glas Sekt gönnen. Und natürlich hofft Matthias Messing, dass nach den Sommerferien die Pandemie besser unter Kontrolle ist: „Wir wollen unbedingt mit Präsenzunterricht starten. Ich freue mich auf die Kinder.“

Am Samstag, 16. Januar findet ein digitaler Tag der offenen Tür unter www.Gesamtschule-Mettmann.de statt. Von 10 bis 15 Uhr gibt es die Möglichkeit zur persönlichen Kontaktaufnahme. Start ist jeweils um 10 Uhr, um 12 Uhr und um 14 Uhr.

Es besteht die Möglichkeit zu einer telefonischen Sprechstunde: dienstags und donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr unter Telefon 0157/39014297

Alles zum Thema Anmeldungen unter www.Gesamtschule-Mettmann.de

(dir)