Doch genau das wird es bald nicht mehr geben. Das Modehaus Hoffstaedter schließt. Nach fast 120 Jahren endet damit eine Mettmanner Familiengeschichte. Inhaber Michael Hoffstaedter geht mit 70 Jahren in den Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht.
Noch aber sind die Türen geöffnet. Und Hoffstaedter blickt der letzten Woche im Geschäft entgegen. „Ich freue mich, noch einmal viele meiner treuen Stammkundinnen zu sehen“, sagt er. Der Abschied sei schließlich nicht nur ein Ende, sondern auch die Gelegenheit, sich von vielen Menschen persönlich zu verabschieden.
Ab Montag wird alles noch einmal günstiger: 70 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Bis zum 22. August soll möglichst alles verkauft sein. Danach wird das Geschäft geschlossen. Für manche Kundinnen ist dieser Gedanke schwer vorstellbar. Eine von ihnen erzählt, dass die Schließung inzwischen sogar im Speisesaal des Altenheims Gesprächsthema ist. Die Nachricht habe sich dort längst herumgesprochen.
Eine andere Stammkundin bringt ihre Verzweiflung mit einem Satz auf den Punkt: „Was soll ich denn jetzt machen? Wo gehe ich denn jetzt einkaufen? Ich komme doch immer hierher.“ Dann fügt sie lachend hinzu: „Na, dann muss ich mir einen Vorrat an Bekleidung kaufen, wenn Sie nicht mehr da sind.“
Solche Sätze berühren Hoffstaedter. Denn viele Kundinnen kennt er seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. „Die Gespräche werde ich vermissen“, sagt er. Genau diese persönlichen Begegnungen hätten für ihn einen großen Teil des Geschäfts ausgemacht.
Die Schließung ist keine Entscheidung aus wirtschaftlicher Not. „Es liegt nicht am Umsatz“, betont er. Aber mit 70 Jahren ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, an den Ruhestand zu denken. „Es macht mich auch traurig, aber ich muss ja auch irgendwann einmal in Rente gehen.“
Und gleichzeitig freut er sich auf das, was danach kommt. Endlich mehr Zeit. Weniger feste Öffnungszeiten, keine Verantwortung für das Geschäft, kein Blick auf die Uhr, weil um 18 Uhr die Türen geschlossen werden müssen. Die Freude auf den Ruhestand und die Wehmut über den Abschied gehören für Hoffstaedter zusammen. Das erste, was er nach der Schließung macht? „Urlaub am Bodensee!“
Seit 36 Jahren ist er Geschäftsführer des Modehauses. Im Unternehmen ist er allerdings schon deutlich länger. Die Geschichte begann 1896 mit seinem Großvater Max. Sein Vater Siegfried führte das Geschäft weiter und baute es aus. Hoffstaedter selbst hatte ursprünglich ganz andere Interessen. Philosophie, Linguistik, Germanistik und Biologie gehörten zu seinen Themen. Es kam bekanntlich anders.
Seit April 2013 befindet sich das Modehaus an seiner heutigen Adresse an der Freiheitstraße. Über die Jahrzehnte hat Hoffstaedter mehrere Veränderungen der Einkaufswelt miterlebt. Viele Fachgeschäfte, die früher selbstverständlich zum Stadtbild gehörten, sind verschwunden. Buchhandlungen, Platten- und CD-Läden, Herrenausstatter und kleinere Fachgeschäfte prägten einst die Innenstädte und zogen Menschen in die Straßen. Heute konkurriert der stationäre Einzelhandel mit dem Internet und großen Onlineanbietern.
Auch für Hoffstaedter ist diese Entwicklung spürbar. Immer weniger Fachgeschäfte bleiben übrig. Und mit ihnen verschwindet auch etwas, das sich nicht einfach ersetzen lässt: die persönliche Beziehung zu den Stammkunden. Die Frage nach der Familie. Das gemeinsame Lachen. Und natürlich die Beratung, bei der es manchmal eben nicht nur darum geht, ein Kleidungsstück zu verkaufen, sondern darum, das richtige zu finden.
Nach fast 120 Jahren schließt damit ein Geschäft, das für viele Mettmannerinnen und Mettmanner weit mehr war als nur ein Ort, an dem man Kleidung kaufen konnte.