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Der FKK e.V. macht sich für den Mettmanner Karneval stark : Eine Frischzellenkur für das Brauchtum

Der FKK e.V. macht sich für den Mettmanner Karneval stark : Eine Frischzellenkur für das Brauchtum

Es war im Jahre 2010: Die Mettmanner Karnevalsgeschichte war in einem beklagenswerten Zustand.

In der RP stand zu lesen: „Die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Mettmann sieht sich nicht mehr im Stande, den großen Karnevalszug durch die Mettmanner Innenstadt zu organisieren. ‚Wir sind weder personell noch finanziell in der Lage, die notwendigen und vielfältigen Aufgaben, die hier erforderlich sind, zu stemmen‘, sagt Vorsitzender Alfons Gobbetto“. Der in Auflösung begriffene Verein war in die Jahre gekommen, das Interesse am Karneval in der Stadt merklich geschwunden.

Genau zu dieser Zeit saß der Kegelclub „Biggelbrüder“ beisammen. „Alles nahm seinen Anfang beim Griechen am Eidamshaus, eigentlich in einer Bierlaune“, schmunzelt Vorstand Hubert Neurath. „Wir beschlossen, mit einem spektakulären Wagen à la Jacques Tilly am folgenden Zug teilzunehmen.“ Mit der tatkräftigen Hilfe von Tischler Peter Ellsiepen entstand ein Kunstwerk aus Hasendraht: Auf einem umgestalteten Rübenwagen fuhr ein überdimensionaler Hintern durch Mettmann, dem (ungiftige) Dämpfe entstiegen: Symbol für einen seinerzeit aktuellen Steuerskandal, bemannt mit den als Highlander verkleideten „Biggelbrüdern.“

Mit dieser „Bierlaune“ schlug die Geburtsstunde einer neuen Karnevalsgeneration. 2012 erfolgte die offizielle Eintragung des Vereins. Die Talsohle des Mettmanner Karnevals war bezwungen.

Obwohl Michael Heinemann, Vorstandskollege von Hubert Neurath, der Mettmanner Karneval sozusagen in die Wiege gelegt wurde - als Sohn begeisterter Karnevalisten war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass in seiner Stadt in der fünften Jahreszeit Ausnahmezustand herrscht - musste er ihn im Erwachsenenalter erst wieder neu entdecken, um zu merken: „Ohne Karneval fehlt mir etwas. 2017 kam ich nach fast 20

Jahren Spanien zurück nach Mettmann und dachte: „Mettmanns Karneval lebt wieder, aber irgendwas fehlt – Aschermittwoch 2018 dachte ich an das mallorquinische Ritual zum Karnevalsende: das Begräbnis der Sardine! Die Bestattung der Sardine steht als Sinnbild für den Verzicht auf Fisch und Fleisch während der Fastenzeit. In Deutschland wird zu diesem Zeitpunkt der Hoppeditz beerdigt “, erinnert sich Heinemann heute, und man rief den Mettmanner Hoppeditz ins Leben, der erstmals 2019 die Kreisstadt während des Karnevals aufs Korn nahm.

Der Karneval in Mettmann lebt - mit jedem Jahr seit 2012 wuchs der Zug, zog er regelmäßige Teilnehmer an wie Me-Sport, alle großen Parteien, Verbände, Vereine, Schulen und Jungunternehmer Philipp Demelt, der 2019 nicht nur einen monumental dimensionierten Wagen ins Rennen schickte, sondern auch eine neue, junge Tradition begründete: In seinem „Golden K“ steigt die After-Zug-Party, für Vereinsmitglieder unentgeltlich.

Die Organisation des aufwändigen Zuges liegt heute in Händen eines sechsköpfigen Orga-Teams, das satzungsgemäß ehrenamtlich arbeitet.

260 Mitglieder zählt der Verein derzeit, verglichen mit den etwa 10.000, die jedes Jahr den Zug säumen, eine relativ bescheidene Zahl. „Da ist noch viel Luft nach oben“, so das Team mit Blick auf den hohen finanziellen Aufwand eines Zuges.

„Einen Zug auf die Beine zu stellen ist mit enormen Kosten und endlosen Mühen verbunden“, so das Team. „Versicherungen müssen abgeschlossen, Hilfskräfte und Musikkorps eingekauft werden, es gibt immer schärfere Sicherheitsauflagen und der technische Aufwand für die stationäre Beschallung ist hoch.“

Werden gar die goldenen Zeiten der KG Rot-Weiss eines Tages wieder aufleben? „Warum nicht?“, schmunzelt Heinemann. „In den kreisweiten Nachbarstädten gibt es das volle Programm mit Prunksitzungen und Prinzenpaar. Ich hätte nichts dagegen!“

Den Anfang gemacht hat der FKK schon mal: Letztes Jahr gab es erstmals wieder einen Hoppeditz. Wer sagt, dass Brauchtum verstaubt sein muss?

(Constanze Backes)