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Peter Langbehn hört auf
Die Lettlandhilfe sagt „Tschüss“

Peter Langbehn hört auf: Die Lettlandhilfe sagt „Tschüss“
Peter Langbehn (Mitte unten) löst nach über 23 Jahren die Lettlandhilfe auf und verabschiedet sich von seinen zahlreichen treuen Mitstreitern. FOTO: TB
Mettmann. Was es für ihn bedeutet, dass mit seiner Lettlandhilfe nun Schluss ist, kann Peter Langbahn noch gar nicht sagen. Auch über seine Zukunft macht sich der Ehrenamtler und Bundesverdienstkreuzträger keine Gedanken.

"Ich hab mir über all diese Sachen noch keinen Kopf gemacht", sagt Langbehn am Dienstag bei seinem Abschiedsessen in der Gastronomie Laubfrosch in der Neandertalhalle. Eingeladen waren Menschen, die der Lettlandhilfe in den vergangenen 23 Jahren nahe waren. "Ich wollte nicht einfach klammheimlich aufhören, sondern mich bei all den Menschen bedanken, die mich jahrelang unermüdlich unterstützt haben."

Hinter der Lettlandhilfe verbirgt sich ein weitreichendes Netzwerk an Ehrenamtlern. Zu Gunsten des Landes im Baltikum sammelten Langbehn und seine Helfer Hilfsgüter wie Mobiliar und Haushaltsartikel. "Wohnungsauflösungen kamen uns da immer sehr gelegen. Dort rückten wir dann mit einem mehrköpfigen Team an, sortierten die nutzbaren Gegenstände aus und der Rest landete auf dem Müll. Das war für viele Menschen eine einfache und zeitsparende Möglichkeit, eine alte Wohnungen leerzubekommen. Eine klassische 'Win-Win-Situation'."

Seit einigen Jahren nutzte Peter Langbehn für seine Güter Lagerhallen der Firma Eismann und sammelte dort alles, was nicht nied- und nagelfest war, wie er selbst einmal zugab. Eine wahre Freude für Trödelfans: Teppiche, Stühle, Tische, Bilder, Porzellan, Uhren, Sofas und vieles, vieles mehr. Nicht selten stapelten sich die Güter bis unter die Decke und mit einem großen 40-Tonner wurde das Sammelsurium einmal im Monat Richtung Lettland geschickt. "Für das Beladen waren natürlich auch Hilfskräfte notwendig. Da kamen stets bis zu zehn Personen zusammen, damit der Fahrer auch pünktlich auf die Bahn kam." Doch mit der Zeit sammelte sich mehr an als abtransportiert werden konnte und mit der Kündigung der Lagerhallen waren auch die Tage der Lettlandhilfe gezählt.

"Wir sollten die Hallen innerhalb von zwei Wochen leeren. Das ist jetzt zwei Jahre her", witzelt Langbehn und ihm sitzt der Schalk im Nacken. "Doch anders waren die Massen einfach nicht zu bändigen. Wir mussten schließlich alles verladen." Mehrmals monatlich fuhren große LKW vor, um auch die letzten Möbelstücke nach Lettland zu schaffen, bezahlt hat dies Langbehn selbst.

Natürlich war er auch etliche Male persönlich dort. "Es ist für uns hier schwer vorstellbar, wie viele Menschen in Lettland leben. Wir haben einmal Dank einer Spende der FHDW eine Schule mit neuen PCs ausstatten können. An so etwas war vorher gar nicht zu denken. Wir haben in den zahlreichen Jahren vielen Personen dort helfen können." Nicht umsonst ist Peter Langbehn in Lettland eine Art Volksheld. Doch das hört er selbst nicht so gerne. "Mir hat es immer Freude bereitet, diesen netten Menschen dort zu helfen. Sie sind irgendwie noch nicht so abgezockt wie viele hier", hat er einmal gesagt.

Für seinen unermüdlichen Einsatz dankten Peter Langbehn am Dienstag viele Weggefährten, darunter auch die Ex-Bürgermeister Bernd Günther und Bodo Nowodworski. "Unser Dank gilt sowohl Peter Langbehn als auch seinen zahlreichen Helfern. Im Namen der Stadt können wir ganz klar sagen: Wir sind sehr stolz, die Lettlandhilfe unterstützt zu haben", so Nowodworski in seinem Grußwort.

Helfer Johannes Berg wird besonders das gesellige Miteinander fehlen. "Wir waren eine tolle Truppe und hatten Spaß bei der Arbeit. Dass wir dann auch noch etwas Gutes getan haben, war ein zusätzlicher Pluspunkt", berichtet der 80-Jährige augenzwinkernd. Seit 16 Jahren half er Peter Langbehn und hat rund 50 LKW mitbeladen. "In der gesamten Zeit waren es sicherlich rund 300 Wagenladungen", sagt Langbehn abschließend. Eine großartige Leistung! Mach es gut Peter!

(Schaufenster Mettmann/TB)