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Absturz in Metzkausen

Absturz in Metzkausen
Marcel Lesaar hat in seinem aktuellen Buch den Absturz eines Wellington Bombers in Metzkausen thematisiert. FOTO: tb
Mettmann. Marcel Lesaar hat ein außergewöhnliches Hobby. Der Mettmanner ist Ehrenamtler des LVR Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland und regelmäßig auf der Suche nach historisch wertvollen Bodenfunden.

(tb) Um für die Nachwelt einen Überblick seiner Erkenntnisse festzuhalten, schreibt Lesaar Bücher, die Einblicke in die Geschehnisse rund um solche Funde liefern. Mit seinem neusten Werk "Bomber Absturz in Mettmann Metzkausen/ Die Geschichte eines Wellington Bombers" geht der Ehrenamtler gezielt - wie der Titel schon verrät - auf den Absturz eins Wellingston Bombers X3814 PT-P am 29. März 1943 ein, welcher im Bereich des heutigen Golfplatzes Hubbelrath beziehungsweise in der Nähe des Gut Kraumenhaus in Metzkausen abgestürzt ist.

"Der Bomber war auf dem Rückweg von Bochum und es ist davon auszugehen, dass er im Zuge eines Luftangriffes auch Bomben abgeworfen hat", erklärt Lesaar. Gemeinsam mit fünf weiteren Ehrenamtlern des Amtes für Bodendenkmalpflege suchte der Mettmanner Hobbyarchäologe die Fläche entlang des Golfclubs ab. "Wir haben uns diesbezüglich die Erlaubnis der Eigentümer und der Pächter eingeholt und waren selbst ganz überrascht, dass uns die Suche gewährt wurde. Schließlich ist es gerade auf einem Golfplatzgelände nicht selbstverständlich, dort Grabungen durchzuführen. Dafür nochmals ein herzlichen Dank." Rund drei Jahre haben die Suche sowie die Fertigstellung des Buches gedauert. Da Marcel Lesaar, ebenso wie die weiteren ehrenamtlichen Helfer, dem Hobby nur in der Freizeit nachgehen kann, zogen sich Suche und Recherche in die Länge. In zahlreichen Einzelstunden wollten nicht nur etliche Fundstücke geborgen, sondern auch Hintergrundinformationen zu besagten Luftangriff sowie der Besatzung recherchiert werden.

Nachforschungen, die Aufgrund der Besatzungsmitglieder bis nach England und Kanada reichten. Ein teilweise emotionales Unterfangen. "Gerade der Kontakt zu Hinterbliebenen ist mit Emotionen verbunden. Schließlich geht es dabei um einen nahen Angehörigen, der vor vielen Jahren im Krieg geblieben ist." Mit seiner Arbeit Licht in die teilweise ungelöste und dunkle Vergangenheit zu bringen, ist für Marcel Lesaar Grund genug, die zeitaufwendige Arbeit stetig weiter fortzuführen.

Die Information, dass eine Absturzstelle in unmittelbarer Nähe zu Marcel Lesaars Wohnort zu finden ist, erhielt dieser während einer vorangegangenen Suche in Wuppertal-Schöller. Dort wurden ebenfalls interessante Funde einer Lancaster Maschine geborgen. "Mich ausschließlich auf Funde des zweiten Weltkriegs zu spezialisieren, ist allerdings nicht mein Bestreben. Mein Interesse ist breit gestreut", verrät Lesaar, der hauptberuflich Sparkassenbetriebswirt ist. "Römische Lager oder Funde aus anderen Epochen lassen sich nur in meiner näheren Umgebung weniger finden."

Das aktuelle Buch Lesaars greift den Absturz auf ganz unterschiedliche Weise auf. Dabei ist es dem Autor wichtig, den Krieg in keiner Form zu verherrlichen. So wird nicht nur auf die Suche eingegangen, sondern auch die Auswirkungen des Luftangriffs beleuchtet. Auf dem Ehrenfriedhof des Südfriedhofes in Herne fand der Mettmanner Gräber verstorbener Bombenopfer. "Da eine Vielzahl der Bomben, die dem Luftangriff auf Bochum galten, weiter nördlich abgeworfen wurden, hat besonders Herne darunter gelitten", erklärt der Fachmann in seinem Buch. Ebenso besuchte Lesaar die Gräber der fünf verstorbenen Crew-Mitglieder, die mittlerweile auf dem britischen Ehrenfriedhof in Kleve beigesetzt wurden. "Ein Anblick, den ich nicht vergessen werde. Tausende Gräber lassen sich auf dem Ehrenfriedhof in Kleve finden."

Dass der Mettmanner auf seiner Suche nach belegenden Dokumenten auf breites Interesse und Hilfsbereitschaft in Kanada und England gestoßen ist, versteht Lesaar als mittlerweile freundschaftlichen Austausch. "Ich hoffe für uns alle und unsere Nachkommen, dass niemand mehr die Schrecken und Verluste durch Machtergreifung und Kriegsgeschehen erleiden muss!" Um den Verstorbenen zu gedenken, errichtete der Mettmanner an der Absturzstelle eine Gedenktafel mit den Namen der abgestürzten Crewmitglieder.

Mittlerweile sitzt der engagierte Ehrenamtler bereits an seinem neusten Werk, welches auf den ersten großen Luftangriff auf Düsseldorf im Jahr 1942 ausgerichtet ist.

Info:
Das Buch "Bomber Absturz in Mettmann Metzkausen" ist in allen Buchhandlungen sowie über Onlineportale für 9,99 Euro käuflich zu erwerben. Die ISBN Nr. lautet 9 783741 281396.

 

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