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Abi 1977 - Der erste Jahrgang am HHG
Mettmannerin durch und durch

Abi 1977 - Der erste Jahrgang am HHG: Mettmannerin durch und durch
HHG-Abiturientin 1977 Heike Linnert. FOTO: RG
Mettmann. Sie war 1977 unter den ersten Abiturienten des Heinrich-Heine-Gymnasiums. Heike Linnert hat erst ein Gefühl für die Heimatstadt entwickelt als sie fortging.

Eigentlich hat Heike Linnert das Konrad-Heresbach-Gymnasium besucht, aber als ihre Eltern nach Metzkausen zogen, wechselte sie aufs Heinrich-Heine-Gymnasium. Damals war das Gymnasium noch in der alten Dorfschule untergebracht, in der die Schüler sich sehr wohl fühlten. Zwei Jahre, bevor Linnert und ihre Mitschüler als erster Jahrgang Abitur am HHG machten, war der Neubau fertig und sie zogen um. "Gefühlt hätten wir nicht umziehen müssen", drückt Heike Linnert ihre damalige Empfindung aus. Auf die Frage, wie die Schulzeit in einer neuen Schule war, antwortet sie lachend "Der einzige Nachteil den wir Mädchen vielleicht empfunden haben, war das es keine Klassen über uns gab und damit auch keine älteren Jungs an der Schule." Darüber hinaus waren die Mädchen in diesem Jahrgang in der Überzahl.

Nach der Schule wollte Heike Linnert erst einmal nur weg von Mettmann, dem 'Kaff‘ entfliehen, in dem sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hatte. Die ehemalige Schülerin im Französisch-Leistungskurs zog es nach Paris an die Sorbonne, wo sie ihr erstes Studienjahr verbrachte. Von dort aus wechselte sie an die Westfälische Wilhelms-Universität nach Münster. Sie studierte Romanistik und Sport auf Lehramt, aber im sechsten Semester war plötzlich Schluss. Ein Sportunfall mit Wirbelbruch durchkreuzte ihre Pläne. Die Umorientierung fiel ihr schwer. Sie fand keinen Studienzweig, der sie wirklich ansprach und so entschied sie sich für eine praktische Ausbildung zur Zahntechnikerin. Nach der Ausbildung war sie einige Zeit in diesem Beruf tätig, hatte aber immer das Gefühl, dass der Beruf nicht ihr Leben ist. Als sie dann arbeitslos wurde, nutzte sie die Chance und ließ sich zur Berufskraftfahrerin umschulen, um Busfahrerin zu werden. Für eine kurze Zeit hat sie diese Tätigkeit auch tatsächlich ausgeübt, bevor man sie als Dozentin für die Ausbildung gewann.

Als Heike Linnert Mutter wurde, kehrte sie nach Mettmann zurück. Sieben Jahre lang war sie weg aus ihrer Heimatstadt. Sie, die immer etwas verändern wollte, wollte ihre Kinder 'zuhause‘ aufwachsen lassen, in der Stadt, in der man sich kennt und die von Natur umgeben ist. Linnert ist ein echtes 'Mettmanner Gewächs‘. Ihre Eltern, ihre beiden Schwestern und sie sind hier geboren und inzwischen auch ihre Söhne. Beide, mit drei Jahren Altersunterschied, haben sich beruflich fürs Handwerk entschieden. Der eine ist inzwischen Meister und der andere macht gerade seinen Meister. Linnert hat, als ihre Söhne alt genug waren, in Wuppertal in einem Projekt im sozialen Bereich gearbeitet. Später war sie in Jugendwohngruppen tätig und hat Schicksale erlebt, die sie belastend fand. Sie ist glücklich, dass ihre Söhne so bodenständig sind und ist vom ältesten inzwischen schon zweifache, stolze Oma.

Den Willen etwas zu verändern hat sie nicht verloren. Seit 2009 ist sie Mitglied bei den Grünen und setzt sich für das ein, was ihr wichtig ist. Beruflich ist sie seit vielen Jahren in der Sanitätsbranche tätig. Ein bisschen hat ihre ehemalige Ausbildung zur Zahntechnikerin wohl mit die Richtung bestimmt. Mit ihrem jetzigen Beruf fühlt sie sich sehr wohl und vielen Mettmannern ist die Frau mit dem sympathischen Lachen aus dem Sanitätshaus bekannt. Ende September steht ein Treffen zu '40 Jahre Abi‘ an. Die Ehemaligen von 1977 haben sich auch schon zum 25., 30. und 35. getroffen. Heike Linnert hat nur einmal gefehlt, weil sie in Urlaub war. "Ich freue mich schon darauf meine ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler wiederzusehen", erklärt sie.

(Schaufenster Mettmann/RG)