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Das gute Gedächtnis der Stadt

Das gute Gedächtnis der Stadt
Dieter Heinemann hat die Medama-Ausgaben seit den 50er Jahren gesammelt und aufwendig binden lassen. Er besitzt sogar Ausgaben aus den 20er Jahren. Ein historischer Schatz, der viel vom Mettmanner Alltag zeigt. FOTO: FF
Mettmann. Die Aulen Mettmanner bringen seit Jahrzehnten ihre Publikation "Medamana" heraus. Die Zeitschrift ist so etwas wie das historische Gedächtnis der Stadt. Dieter Heinemann ist Mitglied der Aule und hat die Ausgaben binden lassen für sein eigenes Archiv.

"So eine Bindung kostet pro Buch 80 Euro, doch das ist es mir wert", sagt der Pensionär dem die Archivierung einfach im Blut liegt. So hat er neben den Heimatblättern der Aulen Mettmanner auch eine eigenen Chronik über den mittlerweile nicht mehr existierenden Männergesangverein "Quartett" geschrieben. "Ich habe einfach jeden Monat fest gehalten, was im Verein passiert ist, welche Mitglieder Geburtstag hatten, welche Auftritte wir hatten, wohin unsere Ausflüge und Reisen gingen. Da kam schon einiges zusammen", sagt Heinemann, in dessen Dachgeschosswohnung einige historische Schätze schlummern. Jubiläum feierte der Männergesangverein Quartett, der zu Anfang des 20 Jahrhunderts gegründet worden war, 1976. "Die Zeiten ändern sich, wir mussten den Verein leider auflösen, da wir keinen Nachwuchs mehr finden konnten", sagt Heinemann. Davon war 1977, dem Geburtsjahr des Schaufenster Mettmann - noch keine Rede. Wie die Zeiten sich ändern! Nicht nur zum Positiven, wie Dieter Heinemann anmerkt. "Meine Chronik ist da, doch wer interessiert sich noch dafür?"

Beim Quartett-Verein ist dies leider so, bei den Aulen kann davon jedoch keine Rede sein. Und das Jahr 1977 war für die Heimatvereinigung auch ein ganz besonderes. 75 Jahre Jubiläum feierten die Aulen da und so steht es auch in der Medamana. Rund 1000 Mitglieder hatten die Aulen damals, die heimatliches Brauchtum pflegten. Im Medamana gratulieren Landrat Willi Müser, Bürgermeisterin Ingrid Siebeke und Stadtdirektor Gerhard Görres. Und "De Baas" der Aule, Fritz Geldmacher fasste die Ziele des Verein unnachahmlich in Mettmanner Platt in einem Satz zusammen: "Wir sind nit jejen denn Fortschrett, äwer dojejen, dat üwerall Betonklötzj henjesatt wäden, die denn mieschten Börger ne Doan em Oug sind." Weiter schreibt er selbstkritisch: "Schad jenog, das wir fröüher nit immer frö'üh jenog opjepaßt hant, freuen us äwer, dat en jöngster Tied sech Börger fengen, die us ahnsteften mettedonn, öm ut user Stadt dat te maken, wat se immer wor: en jemütleche Fre'it, en die jeder jän henje'iht, öm se sech ahntekieken."

Gerade in den 70er Jahren wurden auch in Mettmann historische Gebäude, die noch gut hätten restauriert werden können, abgerissen. Hässliche Zweckbauten folgten, häufig gegen den Protest der Aule. Doch der Zeitgeist 1977 war ein anderer, Zweckdienliches galt als "chic".

Doch zurück zum Medamana. Jubiläum feierte damals auch der so genannte "Mettmanner Bankverein", der kurz nach dem Krieg gegründet wurde und dem das Heimatblatt zwei ganze Seiten widmet. "Der Angst ums nackte Überleben folgte die Einsamkeit in der alten Stadt Mettmann, die sich immer zugute gehalten hatte, die Gemeinschaft zu pflegen", heißt es da. Vorwiegend Rentner trafen sich aus diesem Grund. Treffpunkte waren die Bänke in der Innenstadt, daher kam auch der Name. Fünf Jahrzehnte sollte es den Verein geben, später "sogar" mit Frauen. Dabei saßen die Herren längst nicht mehr nur auf Bänken, sondern reisten durch die Lande, um sich gemeinsam so allerlei anzuschauen. Im Jahre 1995 feierten sie noch ihr Jubiläum - seither ist es ruhig geworden um den Verein. Ob es ihn noch gibt? Dieter Heinemann kann da nur schmunzeln. Die Vereine, die es früher zu Hauf gab, sind zum größten Teil längst verschwunden und mit ihnen unwiederbringliche Erinnerungen.

Doch kommen wir zurück zum Jahr 1977 und das was damals in der Medamana stand. So spricht Ludwig Rasche in seinem Artikel über das Freibad am Stadtwald - das heutige Naturfreibad - von "deutlichen Verbesserungen". Bald 100 Jahre hatte es im April 77 auf dem Buckel. Zuletzt war es 20 Jahre früher, 1957 renoviert worden. "Nun hat die Stadt, um das Freibad immer besonders besorgt, die wohl spektakulärste Erhaltungsmaßnahme durchgeführt", heißt es im Heimatblatt der Aulen Mettmanner. Im Mittelpunkt der Arbeiten stand das Hauptbecken. Es wurde gereinigt und - ebenso wie das angeschlossene Planschbecken - mit einer neuen Umwälzanlage versehen. Und so schließt der Artikel mit einem Satz, der heute immer noch gilt: "Aus ganz bescheidenen Anfängern heraus hat die Kreisstadt heute ein Freibad, das sich dank seiner neuesten Einrichtungen und seiner einzigartigen Lage nicht nur größter Beliebtheit bei alt und jung erfreut, sondern auch einen schönen Abschluß der weiträumigen, schon am Brückchen beginnenden gepflegten Grünanlagen am Wiesengrund und Stadtwald bildet."

(Schaufenster MEttmann/FF)