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Der Blinden- und Sehbehindertenverein
Der Blinden- und Sehbehindertenverein FOTO: Nicole Gehring
Mettmann. Der Blinden- und Sehbehindertenverein ist geprägt vom Austausch, von Tipps in Bezug auf die jeweilige Augenerkrankung und vom gemeinsamen Miteinander.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein für den Kreis Mettmann e.V. wurde am 3. September 1934 in Wülfrath als Bezirksgruppe "Kreis Niederberg" des Blindenverbandes für die Rheinprovinz gegründet. In diesem Jahr wird der Verein, der inzwischen den Namen "Blinden- und Sehbehindertenverein" trägt, 85 Jahre alt. Heute sind die Mitglieder nicht alle voll erblindet. Der Verein nimmt heute auch Mitglieder auf, deren Augenleiden mittel- bis langfristig zur Sehbehinderung oder Erblindung führen kann, um ihnen frühzeitig mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können. Große Kämpfe um die Rechte blinder oder sehbehinderter Menschen stehen heute nicht mehr im Vordergrund, dafür aber ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch der Betroffenen und Tipps.

Die Vereinsvorsitzende Tamara Ströter ist selbst vollblind, hat für den Vorsitz eine Fortbildung zum "Blickpunkt-Auge-Berater" absolviert, um für die Mitglieder als Schnittstelle zwischen Augenarzt und Optiker mit Rat und Tat zur Verfügung stehen zu können. Auch ihr Stellvertreter Jörg Moses hat diese Fortbildung absolviert. Jörg Moses ist 2013 nach einer Tumorerkrankung auf einem Auge erblindet und hat auf dem anderen Auge nur noch wenige Prozente Sehkraft. Die Erkrankung, die ihn erwerbsunfähig gemacht hat, hat sein Leben von heute auf morgen verändert. Aufgegeben hat er nicht und heute hilft er anderen Menschen mit ihrer Augenerkrankung klar zu kommen.

Tamara Ströter und Jörg Moses sind nicht nur Vorsitzende des Vereins, sie sind mit etwa 50 Jahren auch die jüngsten Mitglieder, denn die Mehrzahl ist 60 Jahre und älter. Im Landesverband der Blinden- und Sehbehindertenvereine gibt es eine Jugendgruppe, in der sich Menschen bis circa 36 Jahre zusammengeschlossen haben, aber danach sind die meisten erst einmal mit Familie und Beruf so eingebunden, dass keine Zeit fürs Vereinsleben bleibt. Erst wenn der Ruhestand naht, suchen viele wieder den Kontakt zu anderen Betroffenen.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein ist nicht für den gesamten Kreis zuständig. In Ratingen gibt es einen eigenen Blinden- und Sehbehindertenverein und die Städte Langenfeld und Monheim gehören zum Blinden- und Sehbehindertenverein Rhein-Wupper. Die regelmäßigen Treffen im Kreis Mettmann finden wöchentlich wechselnd in den Städten Mettmann, Wülfrath, Heiligenhaus, Velbert und Hilden statt, damit jedes der etwa 67 Vereinsmitglieder die Möglichkeit hat, mindestens einmal im Monat an einem Erfahrungsaustausch teilzunehmen. Das schützt einerseits vor Isolation, bietet andererseits aber auch immer wieder wertvolle Tipps rund um Ärzte, Optiker und Lieferanten von Hilfsmitteln oder zum Blindenmobil, das im Kreis Mettmann, Düsseldorf und in Wuppertal dank der "Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde" kostenlos in Anspruch genommen werden kann.

Ein Highlight ist jedes Jahr das gemeinsame Sommerfest. Im letzten Jahr waren alle gemeinsam an der Müngstener Brücke. Auch Doris Krötz war dabei. Auf die Frage, was das Besondere am Verein ist, antwortet sie: "Die Gemeinschaft". Sie erzählt, dass es eine Verbundenheit und Herzlichkeit unter den Mitgliedern gäbe, die man in der heutigen Gesellschaft nur noch selten anträfe. "Zum Ausflug gehört auch immer ein gemeinsamer Spaziergang, bei dem Mitglieder, die nicht vollkommen erblindet sind, einen Blinden begleiten und ihm erzählen, was sie sehen und was rund herum passiert."   

Betroffene oder Angehörige, die gerne Kontakt zum Verein aufnehmen möchten, finden alle Kontaktdaten und weitere Informationen zum Verein auf der Website www.bsv-kreis-mettmann.de.

(Schaufenster Mettmann)