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Mettmanner Stadtarchiv an Forschungsprojekt beteiligt

Mettmann. In diesem Jahr jährte sich die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 zum 80. Mal.

 

Dieses Ereignis hat die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf zum Anlass genommen in einem Landesprojekt die Gesamtzahl und die Namen der Opfer zu identifizieren, die im heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen während der Pogrome starben oder ermordet wurden. Demnach kamen mindestens 127 Menschen während und kurz nach den Novemberpogromen auf dem Gebiet von Nordrhein-Westfalen ums Leben. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt.

Seit Februar 2018 arbeiteten hunderte Archive und Gedenkstätten an dem Landesprojekt mit, um herauszufinden, wie viele Menschen tatsächlich durch antijüdische Ausschreitungen zu Tode kamen. Die Vermutung, dass weit mehr Menschen starben, als bis dahin angenommen, hatte auch Dr. Bastian Fleermann, Projektleiter und Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Die bislang publizierte Zahl von 91 Toten im gesamten Deutschen Reich war seiner Meinung nach viel zu niedrig. Die Zahl stamme von den NS-Behörden und werde immer noch kommuniziert.

Auch das Mettmanner Stadtarchiv war an dem Projekt beteiligt. Stadtarchivarin Marie-Luise Carl fand heraus, dass es während der Reichspogromnacht in Mettmann keine Todesfälle gab.

Um solche Anfragen beantworten zu können, greift das Stadtarchiv sowohl auf städtische Dokumente als auch auf Unterlagen von Privatpersonen, die dem Archiv zur Verfügung gestellt wurden, zurück.

Stadtarchivarin Marie-Luise Carl hat zwar keine Hinweise zu Todesopfern im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht gefunden, dennoch gibt es zwei Dokumente von Zeitzeugen, die von ihren Erlebnissen rund um den 9. November 1938 berichteten.

Ein Zeitzeuge, Günther Baumgarth, schildert seine Erlebnisse in einem Bericht in der "Medamana", der Zeitung der Bürger- und Heimatvereinigung "Aule Mettmanner". Darin berichtet er, dass er oft mit den Kindern der jüdischen Familie Bach gespielt hatte. Die Familie Bach hatte eine Metzgerei in der Mühlenstraße, die sie aber vor den Ereignissen des 9. Novembers 1938 auf politischen Druck aufgeben musste. Trotzdem wurden am 9. November die Schaufensterscheibe und die Theke der Metzgerei, die inzwischen von einem anderen Metzger betrieben wurde, zertrümmert. Vermutlich wusste die Mettmanner SA nichts von dem Eigentümerwechsel.

Von der anderen Zeitzeugin, Liselotte Irma Schmidt, gibt es ein Tondokument im Stadtarchiv. Ihre Familie hatte ebenfalls eine Metzgerei, die am Abend des 9. Novembers 1938 zerstört wurde. Die Scheiben des Geschäfts wurden zertrümmert und die Ware mit Stinkbomben oder ähnlichem verdorben. Am 10. November hinderten SA-Soldaten die Kunden daran, das Geschäft zu betreten. Laut Zeitzeugin soll es aber keine körperlichen Übergriffe gegeben haben.

Der Bericht des Zeitzeugen Günther Baumgarth wurde in der diesjährigen September-Ausgabe der "Medamana" (3/2018) veröffentlicht.

(Schaufenster Mettmann)