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„Empathie ist sehr wichtig“

„Empathie ist sehr wichtig“
Bürgermeister Thomas Dinkelmann spricht offen über Zukunftsvisionen, Entscheidungsgründe und den Wunsch eines respektvollen Umgangs. FOTO: tb
Mettmann. Einige Situationen haben dazu geführt, dass der Verwaltungschef persönlich angegangen wurde. In einem Interview erklärt Dinkelmann, wie er versucht, mit solchen Angriffen umzugehen. Außerdem spricht er über Entscheidungen der Stadtverwaltung aus der jüngsten Vergangenheit.

Schaufenster: Wie reagieren Sie auf Anfeindungen und Beschimpfungen in sozialen Netzwerken?
Thomas Dinkelmann: Ich habe kein so dickes Fell, dass Anfeindungen, die mich betreffen, mir nichts anhaben können. Das möchte ich auch gar nicht. Ich bin der Meinung, dass mir ansonsten ein großer Teil meiner Empathie verloren geht. Empathie ist mir in der Funktion als Bürgermeister sehr wichtig. Unsere Handlungen zu hinterfragen ist natürlich durchaus erlaubt. Konstruktive Kritik finde ich sehr gut. Ich wünsche mir aber, dass Themen sachlich besprochen werden und unserer Arbeit Vertrauen entgegengebracht wird. Nur so kommen wir gemeinsam ans Ziel. Respektlosigkeit bringt uns nicht weiter.

Können Sie den Unmut mancher Bürger verstehen?
Ja, teilweise. Nehmen wir das Beispiel Düsselring: Unsere Vorgehensweise in dieser Angelegenheit war falsch. Wir haben Bürgerinformation versprochen und sind aber erst den Weg über die Politik gegangen. Richtig wäre es gewesen, erst die Fakten, die für die Bürger wichtig sind, zu beschaffen, dann die Bürger zu informieren und anschließend in die politische Diskussion zu gehen. Dieses Vorgehen war keine Glanzleistung von uns.

Es gab viel Gegenwind in Bezug auf das neue Stadtlogo. Ihnen wurde fehlende Bürgerbeteiligung angekreidet. Wie sehen Sie das?
Es ist nicht üblich, dass in einem solchen Prozess die Bürger einbezogen werden. Das hat nichts mit böswilligem Handeln zu tun. Vertreter aller Ratsfraktion waren eingeladen, sich in einer Jury für den Gestaltungswettbewerb für die neue Wort-/ Bildmarke zu beteiligen. Wir haben als Verwaltung nicht alleine darüber entschieden. Übrigens war die Entscheidung der Jury für den Logo-Entwurf der Agentur 361 Grad einstimmig. Das neue Logo hat viele Vorteile, die wir den Bürgern erläutern wollen, wenn die Politik sich in der Ratssitzung am 3. Juli dafür ausspricht. Von dem neuen Logo hängt der Aufbau vieler weiterer Neuerungen ab, die wir anstreben. Es war mein Wunsch und mein Wahlversprechen, als Stadt Mettmann transparenter aufzutreten. Dieses Versprechen möchte ich gerne weiter umsetzen.

Wie sehen solche Neuerungen aus?
Unter anderem soll der Internetauftritt der Stadtverwaltung moderner, barrierefrei, bediener- und bürgerfreundlicher werden. Die Homepage wird mit aktuellen Informationen aus der Verwaltung bestückt, der Auftritt ist aber noch nicht bürgerfreundlich genug. Das wollen wir grundlegend ändern. Sobald wir von der Politik grünes Licht für das Logo bekommen, kann die Neugestaltung der städtischen Homepage in Angriff genommen werden.

Sie haben die Hälfte Ihrer Amtszeit hinter sich. Was haben Sie bisher optimieren können und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?
Seit Amtsantritt habe ich mich beispielsweise darum bemüht, transparent zu arbeiten. Es gab einige Bürgerinformationsveranstaltung, in denen wir die Flüchtlingssituation oder erste Ergebnisse des Verkehrsgutachtens vorgestellt und erläutert haben. Die Wiederbesetzung der freien Stellen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hat dazu geführt, dass wir nicht mehr ausschließlich reagieren, sondern mit aktuellen Meldungen die Bürger rechtzeitig über relevante Themen informieren. Das wollen wir noch weiter ausbauen. Großen Handlungsbedarf sehe ich ganz klar an unseren städtischen Gebäuden. Stadthalle, Feuerwehr, VHS, Schulen, Baubetriebshof und weitere städtische Immobilien müssen dringend saniert werden, oder müssen wie die Feuerwache erweitert werden. Da in der Vergangenheit keine Grundstücksbevorratung betrieben wurde und Mettmann nahezu keine freien Flächen mehr zur Bebauung besitzt, stehen wir vor echten Problemen. Es bedarf noch vieler Gespräche und Verhandlungen, um geeignete Flächen kaufen zu können. Da müssen wir noch einige dicke Bretter bohren. Wir waren aber auch erfolgreich, haben die ehemalige Sprachförderschule des Kreises Mettmann gekauft. Vor kurzem haben wir dann auch das Grundstück, das an das Gelände der ehemaligen Sprachförderschule angrenzt, vom Land erworben. Dieses Grundstück brauchen wir für die Erschließung des geplanten Neubaugebietes Kirchendelle.
Das Interview führte Tanja Bamme