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Jochen Sickelmann ist gestorben
Die Oberstadt trauert und Mettmann fühlt mit

Jochen Sickelmann ist gestorben: Die Oberstadt trauert und Mettmann fühlt mit
Jochen Sickelmann wird Mettmann fehlen. FOTO: Ingo Grenzstein
Mettmann. In der letzten Woche ist Jochen Sickelmann verstorben. Cowboy nannten ihn die einen, Oberstadt-Bürgermeister die anderen.

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die zu Lebzeiten schon Legende waren. Jochen Sickelmann war so ein Mensch. Seine Markenzeichen: Schnurrbart mit Backenbart und Cowboystiefel. Sein unerreichtes Fachwissen: Die passende Jeans nach kurzem Blick auf die Figur oder auch die klare Ansage, dass die Figur nicht zu einer Jeans passt. So war er. Ehrlich, direkt und doch immer mit einem gütigen Lächeln im Gesicht. Aber er konnte auch stur sein, vor allem, wenn Kommunalpolitiker gern Entscheidungen zur Zukunft der Alten Posthalterei in der Oberstadt getroffen hätten. Die hat er 1979 käuflich erworben und war mit seinem Jeans-Laden ins Vorderhaus des Ensembles gezogen. Die Posthalterei wollte der Mann mit einer Vorliebe für Antiquitäten immer erhalten. Er erwarb gut erhaltene alte Fenster oder Holztreppen für die Restaurierung und baute einige selbst ein. Über die Jahre sammelte er viele Antiquitäten und vor etwa zehn Jahren eröffnete er dann auch noch einen kleinen Antiquitätenladen in der Oberstraße, gegenüber von "Old City Jeans".

Zur Welt kam Jochen Sickelmann eigentlich in Unterfranken. Als er vier Jahre alt war, zogen seine Eltern ins Rheinland. In Mettmann hat Jochen schließlich seine Heimat gefunden, hier war er aktiv, für die Stadt engagiert. Vor allem für die Oberstadt. Er war Mitglied bei den Aulen Mettmannern und zehn Jahre Vorsitzender des Oberstadtbürgervereins. Das brachte ihm auch den Spitznamen "Oberstadt-Bürgermeister" ein. Anstelle des Vereins trat später die Oberstadt Initiative, die sich für die Belebung der historischen Altstadt Mettmanns einsetzt. Die Alte Posthalterei war mehrfach Veranstaltungsort für Nachbarschaftsgrillen oder Konzerte der Klang.Räume.Oberstadt. Jochen Sickelmann selbst war, mittlerweile gesundheitlich angeschlagen, nicht mehr ganz so aktiv wie in den Jahren zuvor. Als er vor wenigen Monaten seinen Laden "Old City Jeans" schloss, begann ein neues Kapitel in der Oberstadt. Die Sorge um Jochen Sickelmann und um den Erhalt der Alten Posthalterei bewegte seine Freunde. Tochter Anna kümmerte sich engagiert um ihn und versuchte gleichzeitig, einen Käufer für die Alte Posthalterei zu finden, der diese - ganz im Sinne ihres Vaters - auch restaurieren und erhalten würde.

In der vergangenen Woche ist Jochen viel zu früh gestorben. In den Herzen lebt er weiter. Im kommenden Frühjahr werden viele von uns besonders oft an ihn denken, wenn sie durch die Oberstraße gehen. Denn der Frühling begann in der Oberstadt immer genau dann, wenn Jochen das erste Mal in der Sonne vor seinem Laden auf dem Sims saß und man zu einem Plausch bei ihm Halt machte. Er wird uns fehlen. Wir fühlen mit seiner Tochter Anna, die sich in den letzten Monaten so engagiert gekümmert hat und nun doch von ihrem Vater Abschied nehmen musste.

(Schaufenster Mettmann/RG)