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Der Wunsch nach einem Zuhause

Der Wunsch nach einem Zuhause
Michael Esser (geschäftsführender Vorstand des Caritasverband für den Kreis Mettmann), Karin Leukefeld (Journalistin) und Bürgermeister Thomas Dinkelmann (v.li.). FOTO: RG
Mettmann. "Keys of Hope" in der Stadtbibliothek: Eine berührende Ausstellung von Caritas International gastiert derzeit in der Stadtbibliothek.

(RG) Keys of Hope lässt syrische Flüchtlinge über ihre Erfahrungen und Hoffnungen zu uns sprechen und lässt uns erfahren, was es bedeutet die Schlüssel zu einem Haus bei sich zu tragen, das es längst nicht mehr gibt. Ausstellungseröffnung war am 21. März. Caritas Geschäftsführer Michael Esser sprach in seiner Begrüßung über die Symbolhaftigkeit der Schlüssel. "Ich gehöre nicht zu den notorischen Schlüsselsuchern. Meine Schlüssel haben immer einen festen Platz. Das gibt mir Sicherheit und Vertrauen, dass ich stets Zugang habe" sagt er über die Bedeutung seiner persönlichen Schlüssel. Durch die Ausstellung sei für ihn das Unfassbare sichtbar geworden, Schlüssel zu haben, aber kein Zuhause mehr. In den letzten sieben Jahren gab es 100.000 Tote in Syrien, berichtet Esser. Sechs Millionen Menschen seien aus ihren Häusern vertrieben worden und 5,6 Millionen sind geflohen und müssen in zum Teil lebensgefährlichen Situationen ausharren.

Bürgermeister Thomas Dinkelmann nennt bei seiner Begrüßung die Zahl der Syrier, die bei uns leben: "Aktuell leben 159 Syrier hier bei uns in Wohnungen. 45 sind unter 18 Jahre alt." Er spricht davon, dass seine Generation und noch jüngere Menschen bei uns nie die Schrecken eines Krieges erleben mussten. "Für uns, die wir das nie erlebt haben, ist das unfassbar", sagt er und fordert die Besucher auf, auf die Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns gekommen sind, zuzugehen und sie kennenzulernen. Anschließend beginnt Karin Leukefeld, Journalistin und Nahost-Korrespondentin, mit ihrem Vortrag und Gesprächsforum zum Thema "Ist Frieden in Syrien möglich? Menschen-Leben in einem zerrissenen Land", der den Besuchern Einblicke in das derzeitige Leben in Syrien gibt. Sie präsentiert Bilder aus vollkommen zerbombten Stadtteilen, von Todeszonen, von Helfern und von Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben. Seit 18 Jahren berichtet Karin Leukefeld aus dem mittleren Osten, aus dem Iran und Irak. Seit 2010 berichtet sie aus Syrien pendelt regelmäßig zwischen Deutschland und Syrien.

Sie spricht auch über die Ausstellung, über den Videobeitrag mit der jungen Ola, deren Mutter aus dem Irak stammt und der Vater aus Syrien. Sie erklärt dem Publikum, dass wahrscheinlich Olas Mutter vor vielen Jahren schon aus dem Irak nach Syrien flüchten musste und sich das Fluchtschicksal in der Familie wiederholt.

Die Ausstellung Keys of Hope, in der der Haustürschlüssel der Flüchtlinge symbolhaft für den Wunsch nach einem sicheren Zuhause und für die Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat steht, läuft noch bis einschließlich 9. April. Zum Ausklang: Am letzten Abend werden um 18.30 Uhr noch einmal Gäste erwartet. Dinan Hesso, die in Köln lebende Tochter des in Syrien sehr bekannten und nach wie vor in Aleppo lebenden Autors Niroz Malek, liest zu diesem Anlass aus dessen Prosa-Geschichtensammlung "Der Spaziergänger von Aleppo". Die deutschen Übersetzungen übernehmen der Schauspieler Gandi Mukli (Lindenstraße) und die Mettmanner Lesepatin Marion Achinger. Für den Besuch der Ausstellung sollte jeder ein klein wenig Zeit mitbringen, um die Videobeiträge anzusehen, die vom Schicksal der geflohenen erzählen.