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Kim Cremer berichtet in einem Blog über seine Erfahrungen mit seiner Unterschenkelamputation
Das Leben geht weiter, auch wenn es jetzt humpelt

Kim Cremer berichtet in einem Blog über seine Erfahrungen mit seiner Unterschenkelamputation: Das Leben geht weiter, auch wenn es jetzt humpelt
Kim Cremer, seine Frau Sabrina und die Töchter Alexa und Liana freuen sich auf eine Zukunft ohne Schmerzen und einen lebensfrohen Papa und Ehemann. FOTO: TB
Mettmann. Die letzten vier Jahre lassen sich für den Familienvater Kim Cremer mit einem Wort beschreiben: Schmerzhaft! Der 16. April 2013 war ein Tag, der das Leben der jungen Familie verändern sollte. Im Neandertal, in Höhe des Museums, wurde der Mettmanner auf seinem Motorrad von einem Autofahrer erfasst.

Mit Rettungswagen und Notarzt ging es auf direktem Weg in die Uniklinik Düsseldorf. Ergebnis des beinah tödlichen Unfalls: Eine völlig zerstörte Fußraste, zahlreiche Blessuren und ein völlig kaputtes Motorrad. Der Fuß war es jedoch, der dem heute 31-Jährigen das Leben nachhaltig zur Hölle gemacht hat. Zahlreiche Operationen und ein dreimonatiger Krankenhausaufenthalt waren die Folge. "In über 20 Operationen haben die Ärzte versucht, meinen Fuß zu retten. Drähte und Schrauben sollten die Knochen zusammenhalten." Der Optimismus blieb dem Familienvater erhalten. "Schließlich hieß es von den Ärzten, ich könnte meinen Fuß irgendwann wieder normal bewegen." Eine endlose Odyssee an Rehabilitationsmaßnahmen und Krankengymnastikbesuchen folgte und selbst der Kauf von orthopädischen Schuhen brachte kaum Besserung. Nein, eine Erkenntnis brach sich Bahn: Ein Leben ohne Schmerzen ist mit dem Fuß nicht mehr möglich.

Obwohl der zweifache Vater sämtliche Strohhalme ergriff, um den Fuß zu retten, blieb leider nur eine Lösung übrig. "Ich habe mich vor gut einem halben Jahr dazu entschieden, den Unterschenkel amputieren zu lassen." Leicht fiel ihm dieser Schritt natürlich nicht. Doch nachdem die notwendige Umschulung vom Lagermitarbeiter zum Groß- und Außenhandelskaufmann abgeschlossen war, nahm Kim Cremer seine Zukunft selbst in die Hand. "Ich habe mich im Internet schlau gemacht, Menschen mit ähnlichen Schicksalen gesucht und alles über die Operation gelesen, was ich finden konnte." In seinem Blog "Das Leben geht weiter, auch wenn es humpelt" sowie in einer Facebookgruppe mit demselben Namen, arbeitet der Mettmanner seine Erlebnisse auf und lässt andere Menschen an seinem Schicksal teilhaben. Dabei geht es Kim Cremer nicht um Selbstdarstellung, sondern um den sozialen Aspekt. "Vielleicht kann ich mit meiner Geschichte Menschen helfen, die sich ebenfalls der Frage nach einer Amputation als letztem Ausweg stellen."

Die Intention zu diesem Blog, der auch viele persönliche und emotionale Einblicke in die Gedanken Kim Cremers liefert, hat auch praktische Gründe. "Immer wieder wurde ich gefragt, wie es meinem Fuß geht. Irgendwann konnte ich darüber nicht mehr sprechen und habe es deshalb aufgeschrieben." Mittlerweile verfolgen über 550 User die Geschichte des Mettmanners. "Und es werden stetig mehr. Ich hätte mit einem so durchweg positiven und vor allem umfangreichen Feedback niemals gerechnet. Das macht mich sprachlos."

Ganz selbstironisch wird in Kim Cremers Blog der Tag nach der OP beschrieben oder der erste Schuhkauf dokumentiert. Und auch die nächsten Schritte hat er bereits geplant. So soll noch in diesem Monat die ersehnte Prothese angepasst werden. "Ich freue mich so sehr, bald wieder am Leben teilnehmen zu können. Meine Familie, aber auch meine Freunde haben sehr lange auf mich verzichten müssen." Ohne Schmerzen ging es für Kim Cremer nicht mehr. "Nach einer Stunde laufen war ich wegen der Schmerzen zu nichts mehr in der Lage. Das hat mich wirklich fertig gemacht. Bald kann ich wieder Sport machen, etwas mit meinen Kindern unternehmen und das Leben genießen."

Für den motivierten Mettmanner steht fest, dass er all diese Schritte niemals ohne Unterstützung seiner Frau und der Mädels, seiner Freunde und Familienmitglieder gestemmt hätte. "Es ist mit Abstand das Wichtigste, wenn man so einen tollen Rückhalt bekommt."

Wie es bei Kim Cremer weitergeht, lässt sich unter www.kimiiblog.wordpress.com nachlesen.

(Schaufenster Mettmann/TB)